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Fragen zum Reisen an den Baikal? Im Forum "Abenteuer Reise" antworten die Autoren des Blogs.

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Bridge of Friendship - Tag 5: Der Nord-Pylon steht

Die Streifenhörnchen (Burunduks) wurden von Tag zu Tag kecker und bedienten sich bald selbst am Frühstückstisch - hier ein stibitzter Kecks.Die Streifenhörnchen (Burunduks) wurden von Tag zu Tag kecker und bedienten sich bald selbst am Frühstückstisch - hier ein stibitzter Kecks.Blick nach Süden - das Tarp des Pickniks liegt geschützt hinter den Dünen.Blick nach Süden - das Tarp des Pickniks liegt geschützt hinter den Dünen.Um am Pylon zu arbeiten, bauten wir eine große Anstellleiter aus Brettern. Christian verbindet hier gerade die Pfosten.Um am Pylon zu arbeiten, bauten wir eine große Anstellleiter aus Brettern. Christian verbindet hier gerade die Pfosten.
08.07.06: Heute sollte der erste Pylon seine Gestalt bekommen - die Tragekonstruktion am Nordufer. Das Ziel war es, diese komplett fertig zu stellen. Natürlich begann dieser Tag auch wieder mit allgemeinem Wecken und enspanntem Frühstück, zumindest für alle, die keinen Küchendienst hatten. An unserem Frühstückstisch fanden sich wieder Gäste ein, die zunehmend kecker und mutiger wurden. Es waren Streifenhörnchen - Burunduks. Sie hatten ihre Scheu schon soweit abgelegt, dass sie sogar vom Tisch an dem wir saßen, allerlei Leckereien stibitzten, Brotkrümel oder sogar ganze Kekse. Aber auch an der Abfallgrube sicherten sie sich einiges an Essbarem.

Um in der Höhe der Pfosten arbeiten zu können, benötigten wir entsprechende Technologien - simpel ausgedrückt eine Leiter. Da wir keine hatten, mussten wir etwas in dieser Art selber bauen. Auch um die Pfosten vor dem Umstürzen zu sichern, war eine Verschwerterung mit Brettern erforderlich, die später wieder entfernt werden würde. Für beides benötigten wir Bauholz, am besten Bretter oder Bohlen. Da wir derartiges Material beim Leiter des Sanatoriums gesehen hatten, wandten wir uns mit Tanja an ihn. Er half uns bereitwillig aus. Was immer wir bräuchten, sollten wir uns nehmen.

Trotz des großzügigen Angebotes wollten wir nicht zu verschwenderisch mit dem Material umgehen und gestalteten die Leiter (eher ein Anstellgerüst) so, dass man die Bretter später für andere Teile der Brücke wiederverwenden konnte.

Um die notwendigen Arbeiten an der Konstruktion musste ich mich selbst kümmern, so dass die Anleitung zu parallelen Arbeiten, sofern es nicht Christian tat, etwas auf der Strecke blieb. Das führte dazu, dass manche häufiger Leerlauf hatten und sich im Schatten niederließen, ohne dass es gleich auffiel. Das sollte an den kommenden Arbeitstagen noch häufiger vorkommen. Natürlich sollte jeder nach eigenem Empfinden Pausen einlegen, aber einfach nichts zu tun, weil der der nächste Arbeitschritt unklar ist und sich nicht mit seinem Problem zu melden, dass gefiel mir nicht wirklich.

Der Grund am Nordufer ist sumpfig - daher auch die Balkenlage zum Aufnehmen des Druckes. Die Pfostenlöcher und Zwischenräume wurden mit Kieselsteinen und Sand vefüllt.Der Grund am Nordufer ist sumpfig - daher auch die Balkenlage zum Aufnehmen des Druckes. Die Pfostenlöcher und Zwischenräume wurden mit Kieselsteinen und Sand vefüllt.Schon bald nachdem etwas sichtbar über den Boden ragte, stellten sich die ersten Neugierigen ein.Schon bald nachdem etwas sichtbar über den Boden ragte, stellten sich die ersten Neugierigen ein.Die Mädchen schleppten Unmengen Sand vom Strand zum Bauplatz - meistens in Plastikschüsseln.Die Mädchen schleppten Unmengen Sand vom Strand zum Bauplatz - meistens in Plastikschüsseln.
Die veranschlagten Arbeiten waren eigentlich keine große Sache - scheinbar. Es ging schließlich nur um vier Balken und zwei-drei Verstrebungen, die zu einem Gebilde zusammengefügt werden sollten. Aber technologisch war es natürlich etwas komplizierter. Die Arbeiten fanden auf engem Raum statt. Für Arbeiten in der Höhe mussten wir auf dem leiterartigen Gerüst stehen, was dank der großzügigen Dimensionierung aber bis zu zwei Personen sein konnten. Und die Ausklinkungen mussten durch mehrmaliges Anpassen beim Aufstellen korrigiert werden. Arbeitete jemand oben auf dem Gerüst mit dem Hammer oder mit anderem Werkzeug, ließ ich das Gerüst durch jemanden - meistens war es Oliver - sichern und untersagte Arbeiten im Bereich darunter. Einmal viel auch jemandem ein Hammer hinunter, was den Sinn dieser Maßnahme deutlich machte.

Christian hatte offensichtlich Spaß daran, selbst auf das Gerüst zu steigen und verschiedene Arbeiten in der Höhe durchzuführen, wie das Anpassen der ausgeklinkten Balken und das Aufnageln der Stahlbänder. Aber auch Ich hatte die eine oder andere Arbeit in luftiger Höhe durchgeführt und fand erhebend mit dem Blick über unser Baufeld zu arbeiten.

Im unteren Bereich gab es auch eine Menge kleinerer Arbeitsschritte durchzuführen, wie zum Beispiel die Verbindung der Pfosten, Sattelbalken und Fundamentbalken mit Winkeln, Lochplatten und Stahlbändern. Die Mädchen verfüllten und verdichteten den Raum um die Fundamentbalken herum, wofür sie große Mengen an Sand und Kieselsteinen vom Strand herbeischleppten.

Besonders fleißig war die kleine Tanja, die sich immer Arbeit suchte und auch unliebsame Tätigkeiten verrichtete, wie das Lackieren der Stahlbeschläge.

Schließlich stellten wir die erste Tragekonstruktion planmäßig fertig und konnten uns auf den kommenden freien Tag freuen.

Bridge of Friendship - Tag 4: Das erste Fundament

Während im Hindergrund das Fundament der Nordpylone ausgerichtet wird, schält die kleine Tanja Rinde von einem Stamm.Während im Hindergrund das Fundament der Nordpylone ausgerichtet wird, schält die kleine Tanja Rinde von einem Stamm.Ein Strigun-Käfer sonnt sich auf einer abgelegten Jacke.Ein Strigun-Käfer sonnt sich auf einer abgelegten Jacke.
08.07.06: Der Tag begann, wie der Tag zuvor. Das Wecken der Truppe erforderte einiges an Nachdruck. Es war ein Samstag. Wir hatten uns darauf geeinigt, unsere ersten zwei freien Tage zu nehmen, wenn wir einen sichtbaren Teil der Arbeiten fertig hätten. Das sollte die Fertigstellung beider Fundamente sein.

Im Verlauf der Zeit bildete sich eine Arbeitsteilung heraus, die zwar einerseits aufgrund der Zeitknappheit optimal war, andererseits dem einen Teil die anspruchsvolleren Arbeiten und dem anderen Teil die stupiden Arbeiten zuteil werden ließ. Vor allem die Mädchen schälten Rinde von den Baumstämmen, schleppten Sand und Kiesel zum Verfüllen und flochten die Seilschlaufen.

Egor und Sascha waren die Kraftmeier. Sie fällten Bäume, schleppten sie aus dem Wald oder hoben die Gruben aus. Christian war vor allem auf handwerklich anspruchsvolle Arbeiten spezialisiert, leitete an und beriet mit mir die Probleme und Lösungen. Regina bewirtschaftete das Camp, wobei ihr reihum jeden Tag jemand anderes als Küchenhilfe zugeteilt wurde.

Da ich ständig hin und her gerissen wurde zwischen dem Beaufsichtigen und Anleiten, aber auch Arbeiten, die ich selbst ausführen musste, war Oliver als Assistent sehr hilfreich. Hilfsarbeiten, ohne die es nicht weitergegangen wäre, erledigte er zuverlässig.

Am Ende dieses Tages war auch das zweite Fundament fertig und und der Mast der erster Tragekonstruktion war aufgestellt. Damit hätten wir uns die ersten zwei freien Tage gönnen dürfen. Da wir aber noch keine fünf Arbeitstage am Stück absolviert hatten, schlug ich vor, noch einen weiteren Tag zu arbeiten und eine Tragekonstruktion fertig zu stellen. Die weiteren Aufwände ließen sich danach viel besser abschätzen - war meine Argumentation. Mit mehr oder weniger großer Begeisterung wurde der Vorschlag akzeptiert.

Der erste Pfosten der Nordpylone steht im Abendrot.Der erste Pfosten der Nordpylone steht im Abendrot.Sonnenuntergang - Der rote Feuerball versinkt hinter dem Kamm des Baikalgebirges am Westufer des Sees.Sonnenuntergang - Der rote Feuerball versinkt hinter dem Kamm des Baikalgebirges am Westufer des Sees.
Ich spürte, dass nicht alle in gleicher Weise eine Begeisterung für das Projekt entwickelten. Vermutlich konnten sich die meisten das Ergebnis nicht wirklich vorstellen und die gleichzeitig recht eng vorgegebenen Arbeitsabläufe begeisterten sie nicht wirklich. Vor allem bei der großen Tanja, die ja offiziell als Brigadierin eingesetzt war, waren die Zweifel offenkundig. Eine nicht ungefährliche Entwicklung, wenn eine verantwortliche Person in einen offenkundigen Konflikt mit einem anderen Verantwortlichen tritt. Allerdings hatte sie keine Lösungsalternativen für das Projekt, so dass es bei einer mehr oder weniger offenkundig zur Schau getragenen Lustlosigkeit blieb.

Auch Oliver entgingen diese Befindlichkeiten nicht. Im war auch deutlich anzusehen, dass er die Rolle, welche Olga zunehmend einnahm missbilligte. Ihr Desinteresse am Projekt war offensichtlich. Sie schien eigene Vorstellungen davon zu haben, wie sie die Zeit verbringen würde. Doch noch äußerte ich mich nicht dazu, obwohl ich ebenfalls ein etwas vorbildhafteres und motivierendes Auftreten der immerhin Zweitältesten in der Truppe erwartet hätte.

Beim allabendlichen Besuch der Thermalquellen lockerten wir im heißen Wasser wieder etwas auf und der Anblick des ersten Pfostens im Abendrot, ganz ohne das hektische Getümmel vermittelte das Gefühl, dass wir es schaffen würden. Die abendliche Ruhe am verlassenen Bauplatz hatte vor dem Hintergrund eines traumhaften Sonnenunterganges sogar etwas unheimlich Romantisches.

Bridge of Friendship - Tag 3: Die Arbeiten beginnen

Erläuterung der Konstruktion mit hilfe eines Models aus Hölzchen im Sand.Erläuterung der Konstruktion mit hilfe eines Models aus Hölzchen im Sand.In der Mittagspause brauchten wir nur ein paar hundert Meter den Strand entlang zu laufen, um an den gedeckten Mittagstisch zu gelangen.In der Mittagspause brauchten wir nur ein paar hundert Meter den Strand entlang zu laufen, um an den gedeckten Mittagstisch zu gelangen.Am Abend war Enspannung in den Dünen angesagt.Am Abend war Enspannung in den Dünen angesagt.
07.07.06: Der Tag begann, wie von nun an jeder Arbeitstag beginnen würde, nämlich damit, dass Regina und ich aufstanden, Feuer machten, Wasser für Tee und Kascha aufsetzten und etwa gegen acht Uhr den Rest der Truppe weckten. Dar Tisch war bereits gedeckt. Gegen neun war das Frühstück beendet und bis auf den Küchendienst bewegte sich die Truppe zum Baufeld.

Jetzt begann die eigentliche Herausforderung. Die bestand darin, alle gleichzeitig zu beschäftigen. Ich hatte keine Ahnung wie schwierig das noch werden sollte, denn kaum einer, ach was, überhaupt niemand war ein Profi für solche Arbeiten und kaum einer hatte das Projekt im Detail erfasst. Zu meinem großen Glück erwies sich Christian als riesige Hilfe beim Anleiten anderer für verschiedenste Arbeiten, ein echter Ko-Bauleiter.

Um zu veranschaulichen, wie sich die Arbeiten über die Tage verteilten und wie straff doch die Planung angesichts der wenigen Zeit war, empfehle ich, meine Präsentation Bridge Building Story" anzuschauen. Aber so anspruchsvoll, wie die Aufgabe technisch und technologisch auch sein mochte, es war längst noch nicht alles, was es an Herausforderungen zu bewältigen gab.

Das Schwierigste für mich war immer wieder, die verschiedenen notwendigen Arbeiten breit zu verteilen und parallel durchführen zu lassen. Es ist eine echte Herausforderung, eine Gruppe Jugendlicher dabei permanent anzuleiten und zu motivieren und ich meine, ich bin diese Herausforderung nur teilweise gerecht geworden.

Bevor wir zum Bauplatz gingen, erläuterte ich die Konstruktion anhand eines Minimodels aus kleinen Hölzern, die ich mir aus Zweigen herausbrach. Im Sand neben unserer Picknicklounge baute ich das Brückenmodell auf und versuchte, die Bauphasen zu erklären. Anfangs schien nur Christian wirklich zu erfassen, was ich erzählte.

Der Küchendienst beim Geschirr spülen am Steg.Der Küchendienst beim Geschirr spülen am Steg.Die Zelte unseres Camps waren in der heideartigen Taiga zwischen den Bäumen verstreut.Die Zelte unseres Camps waren in der heideartigen Taiga zwischen den Bäumen verstreut.Aber zu den Dünen, von wo aus dieses Foto entstand, waren es nur ein paar Schritte.Aber zu den Dünen, von wo aus dieses Foto entstand, waren es nur ein paar Schritte.
An diesem ersten echten Arbeitstag ebneten wir die Baufelder für beide Fundamente ein, besorgten passende Baumstämme für Grund- und Sattelbalken, schälten sie und schnitten die Stämme für das erste Fundament zurecht. Nach dem Anpassen und Ausklinken beendeten wir den ersten Arbeitstag mit der Fertigstellung des ersten Fundaments.

Das Gute an diesem Projekt war, dass es keine weiten Wege gab. zum Mittagessen konnten wir immer schnell zum Camp gehen und uns dort vom Küchendienst bewirten lassen. Wir hatten uns wieder darauf verständigt, dass Regina das Regiment über die Vorräte und die Küche führt und ihr jeden Tag ein wechselnder Küchengehilfe zugeteilt wird. an diesem Tag war es Mascha.

Letztlich hat der Küchendienst den längsten Arbeitstag von allen. Während die anderen bereits verschiedenen Freizeitbeschäftigungen nachgingen, wie zum Beispiel Federball in den Sanddünen, war für die Diensthabenden noch Geschirr spülen angesagt.

Aber zu den heißen Quellen gingen schließlich alle gemeinsam.

Bridge of Friendship - Tag 2: Ein Tag für die Infrastruktur

Die Picknicklounge nimmt Konturen an, das Tarp wird aufgespannt.Die Picknicklounge nimmt Konturen an, das Tarp wird aufgespannt.Die erste gemeinsame Malzeit in unserer Picknicklounge.Die erste gemeinsame Malzeit in unserer Picknicklounge.Christian und Johannes beim Bau des Steges.Christian und Johannes beim Bau des Steges.
06.07.06: Der zweite Tag ging nochmals auf die Erschließung der Infrastruktur drauf. Im Ergebnis hatten wir eine Kochstelle mit Sitzrondell, eine neue Grube mit einem (vorhandenem) Plumpsklo-Verschlag, eine Picknik-Lounge mit Tarp-Überspannung.
Unsere Campingstelle war wirklich schön ausgesucht, aber einen entscheidenden Nachteil hatte sie - ein Bach war leider nicht in der Nähe. So mussten wir das Wasser aus dem Baikal nehmen, was bei Wellengang nicht ganz einfach wäre. Daher errichteten wir noch unter maßgeblicher Anleitung von Christian einen Steg zum Wasserholen.

Dieser Steg hatte einen weiteren Vorteil. Da zu dieser Zeit die Zedern blühten, war der gelbe Blütenstaub überall und sammelte sich auf dem Wasser des Baikal vor allem im Spülsaum der Wellen am Ufer. Durch den Steg konnte man nun von weiter draußen klares Wasser schöpfen, ohne ins Wasser steigen zu müssen.

Bei all den Arbeiten konnten wir uns aus alten Brettern von Überresten irgendwelcher Holzverschläge bedienen, welche vermutlich von früheren Camps in diesen Dünen hinterlassen wurden.

Die Kochstelle war eine besonders wichtige Einrichtung. Wir sorgten für einen angemessenen Sicherheitsabstand zwischen dem Lagerfeuer und dem brennbaren Umfeld. Schließlich war die Vegetation zur Zeit sehr trocken. Eine umlaufende Bank gestattete es allen, einigermaßen bequem am Feuer zu sitzen.

Eine Ortsbegehung unserer künftigen Baufeldes fand auch an diesem Tag statt. Wir nahmen ein paar Vermessungen vor und legten die Lage der beiden Fundamente fest. Morgen sollte es richtig losgehen.

Schon bald stellten sich die ersten neugierigen Besucher ein. Später würden die Streifenhörnchen fast zur Plage werden.Schon bald stellten sich die ersten neugierigen Besucher ein. Später würden die Streifenhörnchen fast zur Plage werden.Nach dem abendlichen Besuch der heißen Quellen sitzen Oliver und ich beim Sonnenuntergang vor dem kleinen Laden.Nach dem abendlichen Besuch der heißen Quellen sitzen Oliver und ich beim Sonnenuntergang vor dem kleinen Laden.Den Abend lässt jeder auf seine Weise ausklingen - besonders romantisch ist es natürlich am Lagerfeuer.Den Abend lässt jeder auf seine Weise ausklingen - besonders romantisch ist es natürlich am Lagerfeuer.
Recht bald stellten sich die ersten neugierigen Besucher ein. Es waren Streifenhörnchen - auf russisch Burunduk genannt - welche sich scheinbar für unsere Kochkünste interessierten. Natürlich fanden wir die posierlichen Tierchen süß und spendierten ihnen den einen oder anderen Happen. vielleicht war das ein Fehler, denn die Anzahl der Steifenhörnchen und ihre Zutraulichkeit sollten von Tag zu Tag zunehmen.

Nach unserem Tagwerk nutzten wir natürlich die Möglichkeit, in den heißen Quellen zu relaxen. Den Weg über einige hundert Meter bis zu den Quellen würden wir von nun an jeden Abend gehen. Aber auch eine andere Erfahrung - eher eine Plage - würde uns nun allabentlich heimsuchen: Schwärme von blutsaugenden Mücken.

Der Weg zu den Quellen führte durch die wenigen Häuser des Sanatoriums Khakusy vorbei, so auch an einem kleinen Lädchen, wo wir uns auf dem Rückweg mit Kleinigkeiten versorgten. Auf der Bank vor diesem Lädchen mit Blick auf den Baikal genossen wir den Sonnenuntergang über dem Westufer des Sees. Dann ließen wir den Abend am Lagerfeuer ausklingen.

Bridge of Friendship - Tag 1: Überfahrt nach Chakusy

Zunächst beluden wir den SchTEO-Bus mit unserer Camp-Ausrüstung, dann gings nach Nishneangarsk zum Hafen.Zunächst beluden wir den SchTEO-Bus mit unserer Camp-Ausrüstung, dann gings nach Nishneangarsk zum Hafen.Der Bus am Anleger in Nishneangarsk. Von unserem Boot war weit und breit nichts zu sehen.Der Bus am Anleger in Nishneangarsk. Von unserem Boot war weit und breit nichts zu sehen.Wir bildeten eine Kette und entluden den Bus. Unser Boot war inzwischen auch da, aber wir durften noch nicht an Bord.Wir bildeten eine Kette und entluden den Bus. Unser Boot war inzwischen auch da, aber wir durften noch nicht an Bord.
05.07.06: Dieser Tag war der Anreisetag ins diesjährige Camp - das GBT-Projekt "Bridge of Friendship" in Chakusy (engl. Khakusy). Er galt als erster Tag unseres Projektes.

Er begann mit einem Frühstück im SchTEO, welches bereits mit unseren Campvorräten bereitet wurde. Dann wurde der SchTEO-eigene Bus beladen. Unser Gepäck, die Vorräte, das Werkzeug und Material. Mir fiel auf, dass die Beschläge zwar solide gemacht, aber noch nicht gestrichen waren. Da sie aus C-Stahl waren, würden sie einen Korrosionsschutz benötigen. Wir würden sie also vor Ort anstreichen müssen. Die Farbe dafür stand auch bereit und amüsierte mich, es war Rosa.

Nachdem der Bus beladen war, gab es noch ein Gruppenfoto vor dem SchTEO. Dann stiegen wir ein und fuhren nach Nishneangarsk. Von Sewerobaikalsk sind das etwa 30 Kilometer. Die Straße ist asphaltiert und verläuft parallel zu den BAM-Gleisen, die etwas oberhalb der Straße teilweise in Tunneln verschwindet.

Nach etwa dreißig Minuten sind wir in Nishneangarsk. Diese Siedlung ist nicht erst mit der BAM entstanden, wie Sewerobaikalsk und ist daher deutlich älter. Deshalb ist sie auch Sitz der Rajon-Verwaltung für den Nordbaikalkreis. Hier befindet sich auch der regionale Flughafen, welcher mehrmals mal pro Woche sowohl aus Irkutsk als auch aus Ulan-Ude angeflogen wird.

Am Pier angekommen sehen wir ein Boot liegen, einen Kutter der Jaroslavez-Klasse, von dem es aber hieß, es sei nicht unseres. Wir bildeten eine Kette und entluden den Bus. Das Gepäck und die Camp-Utensilien stapelten wir direkt auf dem Anleger.

Nachdem der Kapitän das Boarding genehmigt hatte, luden wir das Gepäck aufs Oberdeck und bald danach legten wir ab.Nachdem der Kapitän das Boarding genehmigt hatte, luden wir das Gepäck aufs Oberdeck und bald danach legten wir ab.Nach einer teilweise etwas verschlafenen Überfahrt kommen die Holzhäuser von Chakusy in Sicht.Nach einer teilweise etwas verschlafenen Überfahrt kommen die Holzhäuser von Chakusy in Sicht.An diesem Tag kümmern wir uns um die Infrastruktur, richten die Kochstelle ein und beginnen mit der Picknik-Launch.An diesem Tag kümmern wir uns um die Infrastruktur, richten die Kochstelle ein und beginnen mit der Picknik-Launch.
Dann hieß es, das ist wohl doch unser Boot, sein Name war ja auch "Chakusy", wie unser Ziel. Aber weil der Kapitän noch nicht da war, durfte auch noch keiner an Bord. Irgendwann ging es dann aber los. Wieder eine Kette bilden und auf dem Oberdeck des Kutters stapeln. Als wir endlich ablegten, hantierte ich wohl etwas zu hecktisch mit meinem Fernglas und schwups, opferte ich eine Objektivkappe dem Vater Baikal. Ich hoffte, er wird mir die nächsten Tage wohl gesonnen bleiben.

Die Überfahrt dauerte etwas mehr als drei Stunden. Dann tauchte die Silhouette der Bucht von Chakusy auf. An Bord waren auch Elena Lagutina vom GBT, die sich ein Bild von der Arbeit des GBT am Nordbaikal machen wollte und wie sich während der Fahrt herausstellte, auch Sergej Nikolajewitsch, der Verwalter des Khakusy Sanatoriums. Von ihm erhielten wir im Verlauf des Projektes eine sehr gute Unterstützung.

Nach dem Anlegen wurde es noch mal hart: Kette bilden und alles auf dem Anleger stapeln. Dann den Traktor beladen (Laut Christian nennt man das Fahrzeug richtiger weise Geräteträger). Dieser brachte die Sachen bis an die Mündung des Flüsschens - unseres Flüsschens. Nun hieß es, eine Camp-Stelle ausfindig zu machen. Wir entschieden uns für einen lichten, heideartigen Taigaabschnitt mit angrenzenden Dünen zum Baikal hin. Der große Nachteil war, wir müssten alles noch fast 500 Meter schleppen, wobei wir alle mehrmals gehen mussten, bis alles vor Ort war.

Die auserwählte Stelle war sehr lauschig und für die Größe unseres Camp war ausreichend Platz geboten. Nur für die Infrastruktur musste noch gesorgt werden. Aus den Artefakten und Brettern älterer Camps begannen wir zuerst mit der Feuerstelle. Gleichzeitig bauten alle ihre Zelte auf. Als Nächstes machten wir uns an die Picknick-Lounge.

Baikal-Epilog: Kometa

17.08.05 6:30 Uhr: Die Nacht war etwas kürzer, aber wir waren alle munter und fanden uns pünktlich zum Frühstück ein. Die restlichen Sachen wurden noch gepackt. Gut, dass man bei Sascha zur Morgenwäsche auch in die Banja ausweichen konnte, wo es eine Toilette und warmes Wasser gab, denn bei 11 Personen, die etwa gleichzeitig ins Bad wollen, wird es zwangsläufig eng.

Der Morgen war frisch aber es würde wohl sonnig werden. Die Gruppe sollte mit dem SchTEO-Bus zum Hafen gefahren werden, doch zuerst fuhr Mariasow mit seinem Lada vor. Er schlug vor, mit mir zum Hafen voraus zu fahren - eben wegen des Tumults beim Einsteigen, von dem er bereits am Vorabend gesprochen hatte. Er meinte, ich würde am Anleger schon mal einen vorderen Platz einnehmen, damit nichts schief geht. Ich verabschiedete mich also von Sascha und Nadja, während die anderen ihre Rucksäcke im Hof aneinander stellten und fuhr mit Ewgenij Aleksandrowitsch los.

Matzes Blick schweift in die Ferne. Hinter ihm bleibt Sewerobaikalsk zurück und rechts im Bild entschwindet Nishneangarsk.Matzes Blick schweift in die Ferne. Hinter ihm bleibt Sewerobaikalsk zurück und rechts im Bild entschwindet Nishneangarsk.Beim Blick in Fahrtrichtung sah man nur den offenen Baikal und rechts die Gebirgszüge der Westküste - der Baikalskij Chrebet.Beim Blick in Fahrtrichtung sah man nur den offenen Baikal und rechts die Gebirgszüge der Westküste - der Baikalskij Chrebet.Ein Bild vom mittleren Passagierraum, in welchem wir saßen: Florian möge mir verzeihen, dass ich ihn mit vollen Backen erwischt habe, nachdem er herzhaft in sein Brötchen gebissen hatte.
Ein Bild vom mittleren Passagierraum, in welchem wir saßen: Florian möge mir verzeihen, dass ich ihn mit vollen Backen erwischt habe, nachdem er herzhaft in sein Brötchen gebissen hatte.
Am Hafen angelangt, verstand ich, was er meinte. Am Pier hatte sich bereits eine Menschentraube gebildet - keine geordnete Schlange. Dabei war die Kometa noch nicht in Sicht. Ich stellte mich also bei der Traube hinzu. Mariasow erklärte mir, dass erst die Passagiere mit Tickets an Bord dürfen. Danach würde der Steward die leeren Plätze zählen und diese Anzahl an den Rest der Leute die noch keine Fahrkarten haben, verkaufen. Das Problem sei nur manchmal, trotz vorhandener Tickets durch die Menschentraube zum Steward zu gelangen, meinte Mariasow.

Wenig später sah ich den SchTEO-Bus einrollen und die Gruppe kam mit Rucksäcken bepackt den Pier entlang getippelt. In der Menschentraube erkannte ich auch weitere bekannte Gesichter. Die Irkutsker Truppe, die in der Ajaja-Bucht in den letzten Tagen in unserer Nähe kampierte, war auch dabei.

Irgend jemand rief: "Die Kometa kommt!". Tatsächlich, in der Morgensonne sah man ein Gleißen auf dem Wasser - die Gischtspur der Kometa glitzerte im Morgenrot und kam sehr schnell näher. Nach ihrer Abfahrt in Nishneangarsk kam sie nach etwa einer halben Stunde im Hafen von Sewerobaikalsk an. Leider hatte ich dabei nicht ans Fotografieren gedacht. Helmut war mit der Kamera schneller bei der Hand und erwischte die einlaufende Kometa. Sein kompletter Beitrag zur Kometafahrt (gut illustriert) ist in seinem Eurasia-Blog zu finden.

Nachdem die Kometa angelegt hatte ging es dann doch geordneter zu, als man gedacht hätte. Der Steward rief mehrfach Passagiere mit reservierten Plätzen (also Fahrkarten aus dem Vorverkauf) auf und die Menschentraube ließ solche auch problemlos durch. Wir verabschiedeten uns kurz von Ewgenij Aleksandrowitsch und gingen an Bord. Die Rucksäcke wurden in verschiedenen Ecken gestapelt und die Plätze eingenommen und bald schon ging es los.

Blick von meinem Platz nach vorn zum Durchgang in den vorderen Passagierraum.Blick von meinem Platz nach vorn zum Durchgang in den vorderen Passagierraum.Oliver auf der Raucherplattform (Oder Fotografenlounge?). Nach 150 km weicht die Taiga schon dem Steppenland.Oliver auf der Raucherplattform (Oder Fotografenlounge?). Nach 150 km weicht die Taiga schon dem Steppenland.Genug vom Gucken - Matze und Johannes halten Mittagsschläfchen.
Genug vom Gucken - Matze und Johannes halten Mittagsschläfchen.
Die Kometa war innen, wie ein Passagierjet bestuhlt, nur etwas großzügiger mit mehr Beinfreiheit, dafür aber auch etwas abgenutzter. Es gab drei Passagierräume dieser Art, einer im Vorderschiff mit Panoramablick nach vorn durch eine große verglaste Front, einer im mittleren Bereich, wo auch wir saßen und einen im Achterschiff, wo es auch einen Kiosk gab. Zwischen diesen Passagierräumen gab es Ausgänge zu kleinen offenen Decksplattformen, wo sich die Raucher und Fotografierwütigen trafen. Am Heck gab es auch eine kleine offene Plattform, die etwas windgeschützter war - immerhin fuhr die Kometa mit 50-60 km/h über den Baikal.

Die Kometa hielt sich während der gesamten Fahrt nahe der Westküste. So passierten wir als erstes Baikalskoje, wenig später das Kap Kotelnikowskij und glitten langsam an der Silhouette des Baikalskij Gebirgszuges entlang. Der Ausblick war atemberaubend und das viele Stunden lang. Irgendwann war man gesättigt davon und gab sich einem Schläfchen hin.

Ausser Schlafen und Rausgucken war natürlich auch Essen und Trinken angesagt. Wir hatten zwar alles dabei, aber im Achterschiff gab es auch einen Kiosk, der gut gefragt war. Die zwei Toiletten zwischen Mittel- und Achterschiff waren allerdings etwas wenig für die Anzahl an Passagieren und bildeten öfter einen Engpass.

Man kann sich leicht ausrechnen, wie lange die Fahrt dauern würde. Trotz flotter 50-60 km/h würden wir bis Irkutsk 12 Stunden fahren, wenn man die Halts auf Olchon und Port Baikal berücksichtigt - eine lange Fahrt.

Die heilige Nase erreichen wir nach etwa 3 Stunden. Leider sind wir zu weit von der Ostküste entfernt, um diese eindrucksvolle Halbinsel in ihrer Pracht wahrzunehmen. Auch die Ushkani-Inseln können wir nur erahnen.

Nach 6 Stunden ereichen wir das Nordende von Olchon und fahren zwischen Olchon und der Westküste ins Maloe Morje, das kleine Meer ein.

Baikal-Epilog: Abschied in Saretschnoje

16.08.05 8:00 Uhr: Eine weitere erholsame Nacht in Saschas weichen Betten liegt hinter uns. Das Frühstück - etwas variiert, aber ähnlich wie das Gestrige war wieder schmackhaft und reichlich, so dass man sich fast wieder hinlegen wollte, so satt war man danach. Aber letztlich blieben alle konsequent bei ihren Plänen, wieder nach Sewerobaikalsk zu fahren und den Tag dort irgendwie zu verbringen.

Da heute unser letzter Abend sein würde, planten wir eine kleine Abschiedsfeier in Saschas Haus, wozu wir die russischen Freunde einluden. Bis auf Nadja, die ja bereits nach Irkutsk abgereist war, würden alle kommen. Sascha und Nadja (die Wirtin) schlugen vor, Plow zu machen - dass würde für eine große Truppe wie wir genau das Richtige sein. Es gab aber auch einen anderen Anlass zum Feiern - Franziskas Geburtstag. Sie nahm diese Gelegenheit war, den Anteil der Kosten an der Feier für die russischen Freunde zu übernehmen und den Wein zu spendieren. So würde am Abend also ein Geburtstag und ein Abschied zu feiern sein.

Matze und Johannes waren wieder ausgiebig im Internetcafe und trafen sich später noch mit Ljuba. Mit ihr und mit Franziska gingen sie auch zum Stadtstrand. Die Gruppe um Oliver, Helmut und dessen neue Reisegefährten hatten ähnliches unternommen. Aber alle trudelten beizeiten wieder in Saschas Pension "Sadko" in Saretschnoje ein.

Kasim bereitet den Plow traditionell usbekisch auf offenem Feuer zu.Kasim bereitet den Plow traditionell usbekisch auf offenem Feuer zu.Blick in Saschas Garten - In dem hübschen Pavillon steht Matze.Blick in Saschas Garten - In dem hübschen Pavillon steht Matze.Blick auf die Loggia, in der Oliver, Helmut und Florian (einer von Helmuts neuen Eurasia-Mitreisenden) wohnten.
Blick auf die Loggia, in der Oliver, Helmut und Florian (einer von Helmuts neuen Eurasia-Mitreisenden) wohnten.
Dort stellte Sascha uns Kasim vor, einen Freund des Hauses, der aus Usbekistan stammte und wie uns Sascha offenbarte, den Plow (in anderen Turksprachen auch Pilaw genannt) auf traditionelle usbekische Art bereiten würde. Die Vorbereitungen dazu liefen bereits. Dazu hatten sie im Hof ein offenes Feuer gemacht und es mit ein paar Ziegeln eingefasst. Darauf platzierte Kasim eine große, gusseiserne, wok-ähnliche Pfanne, die er Kassam nannte. Als erstes briet er in etwa einem Liter Pflanzenöl geschnittene Zwiebeln aus, die er danach wieder rausnahm und entsorgte. Dies sei nur zum aromatisieren des Öls, erklärte er. Dann gab er verschiedene Zutaten (Fleisch, Gemüse) hinzu und würzte und briet sie. Schließlich kamen Reis und Wasser hinzu.

Die Prozedur der Zubereitung währte recht lange und Sascha kredenzte zwischenzeitlich immer mal einen Wodka - auch für Matze und Johannes, so dass ich irgendwann mal sagte, es reicht für die beiden. Johannes legte sich schließlich bis zum Abendbrot noch etwas aufs Ohr.

Da war noch eine Sache mit den Tickets für die Kometa (das Tragflächenboot nach Irkutsk), welche am nächsten Morgen gehen würde. Um sicherzustellen, dass wir Plätze bekommen, haben wir in Irkutsk auf Olivers Namen die Tickets kaufen lassen. Dies wurde vom Hotel, welches Oliver in Irkutsk gebucht hatte, gegen einen Aufpreis organisiert. Diese Tickets wurden dem Kapitän übergeben und sollten uns direkt am Pier ausgehändigt werden. Evgenij Aleksandrowitsch Mariasow meinte jedoch, dass am Morgen am Pier im Sewerobaikalsk der Teufel los sei und es besser sei, die Tickets bereits am Abend entgegen zu nehmen, wenn die Kometa von Irkutsk kommend in Nishneangarsk angelegt hat, wo sie über Nacht liegen würde. Dazu wollte er mich am Abend mit dem Auto abholen, um (die ca. 25 km) nach Nishneangarsk zu fahren.

Doch erst einmal begann unsere Feier. Die russischen Freunde trudelten ein. Und bald fanden sich alle in Saschas Wohnzimmer wieder, wo der Plow serviert wurde. Wir feierten ausgelassen. Aber ich musste schließlich vorzeitig weg, um mit Mariasow wegen der Kometa-Tickets nach Nishneangarsk zu fahren.

Abschlussfeier in Saschas plüschig-gemütlichen Wohnzimmer. Leider musste ich die Feier vorzeitig verlassen, um mit Mariasow wegen der Kometa-Tickets nach Nishneangarsk zu fahren.
Abschlussfeier in Saschas plüschig-gemütlichen Wohnzimmer. Leider musste ich die Feier vorzeitig verlassen, um mit Mariasow wegen der Kometa-Tickets nach Nishneangarsk zu fahren.
Mariasow fuhr einen älteren Lada. Von Saretschnoje ging es erstmal nach Sewerobaikalsk, wo er tankte. Dann fuhren wir weiter nach Nishneangarsk. Es dämmerte bereits. In Nishneangarsk fuhr er direkt ans Pier. Von dort kommend begegneten uns einige Männer. "Da ist der Kapitän, ich erkenne ihn" sagte Mariasow, bremste und sprach ihn an. Der sagte uns, wir mögen zum Schiff gehen und uns an den Steward wenden, er hätte Tickets, die ihnen in Irkutsk übergeben worden seien. Also fuhren wir bis ans Ende des Piers, wo die Kometa lag und gingen zögerlich an Bord. Dort wischte gerade eine Frau den Fussboden und ein Mann wirtschaftete herum. Wir sprachen sie an und erklärten unser Anliegen, während er mit skeptischem Blick zuhörte. Als ich schließlich Oliver Nachnamen nannte, hellte sich sich Blick auf. "Ah, genau der Name steht auf dem Umschlag - hier ist er". Damit übergab er mir die Tickets.

Nachdem wir das Schiff wieder verlassen hatten, trat Evgenij Aleksandrowitsch nachdenklich an die andere Seite der Mole, wo ein ordentlicher Wellengang vom offenen Baikal her anstürmte. "Hoffentlich verstärkt sich das nicht", sagte er, "lass uns zum Baikal beten...". Damit wandte er sich stumm zum offenen Baikal und verharrte ein, zwei Minuten. Dann kramte er in der Tasche und warf eine kleine Münze in die Wellen. Ich tat es ihm gleich. Er nickte und wir gingen zum Auto. Der Rückweg verlief bereits in völliger Dunkelheit und als er mich in Saretschnoje absetzte, war unsere Feier gerade auch zu Ende gegangen. Da wir am nächsten Morgen früh raus mussten begaben wir uns zu Bett. Die Rucksäcke waren bereits gepackt.

Sascha und Kasim allerdings machten sich noch einen ausgelassenen Abend in der Banja und tranken dabei ordentlich Wodka.

Baikal-Epilog: Sewerobaikalsk

15.08.05 8:00 Uhr: Die Nacht in den gemütlichen Zimmern und weichen Betten hatten wir nach den Wochen in der Wildnis natürlich paradiesisch empfunden und so waren wir nach dem Aufstehen bester Stimmung. Das Frühstück war auch wieder großartig und opulent, mit Spiegeleiern, Bliny mit Varenje (Pfannkuchen mit selbstgemachter Marmelade) und Brot mit Aufschnitt.

Johannes hatte allerdings etwas Bauchschmerzen und fühlte sich etwas unwohl. Vom vielen Essen am Vorabend, wie er meinte - aber vielleicht war auch der reichliche Vodka zum Abendbrot Schuld daran. Allerdings hatte er am Tag vor der Abreise aus der Ajaja-Bucht auch schon Übelkeitssymptome. Daher legte er sich nach dem Frühstück noch mal hin, während wir im Garten die beiden Zelte aufstellten, damit sie nochmal richtig abtrocknen konnten. Nadja stellte gegen einen kleinen Extra-Obulus ihre Waschmaschine zur Verfügung und fast jeder nutzte die Gelegenheit, ein paar Sachen zu waschen.

Eine Straße im alten Barackenviertel der BAM-Erbauer, wo sich auch das SchTEO befindet.Eine Straße im alten Barackenviertel der BAM-Erbauer, wo sich auch das SchTEO befindet.Hinter dem Bahnhof gehts über eine Fusgängerbrücke, die die Gleise übespannt, weiter in Richtung Stadtstrand.Hinter dem Bahnhof gehts über eine Fusgängerbrücke, die die Gleise übespannt, weiter in Richtung Stadtstrand.Der Stadtstrand von Sewerobaikalsk - allerdings war dies wahrlich kein Badetag.
Der Stadtstrand von Sewerobaikalsk - allerdings war dies wahrlich kein Badetag.
Irgendwann am späten Vormittag traf dann einer nach dem anderen im SchTEO ein. Dort trafen wir Aljona und die russischen Campteilnehmer wieder. Für den GBT füllten wir Fragebögen aus, auf denen wir unser Camp bewerteten. Nebenbei unterhielten wir uns über dies und jenes und es verflog die Zeit. Schließlich verabschiedete sich einer nach dem anderen und wir machten uns in verschiedenen Gruppen auf ins Stadtzentrum. Es gab verschiedene Dinge zu erledigen, wie Essen, Einkaufen, Geld tauschen und das Internetcafe aufsuchen, was man in Zentrum von Sewerobaikalsk alles in einem Radius von 5 Weg-Minuten erledigen konnte.

Die Jugend blieb noch eine ganze Weile im Internet-Cafe und gind anschließend nochmal in ein richtiges Cafe, während Regina und Ich zum Stadtstrand spazierten. Das war ein Fußmarsch von 15-20 Minuten - erst zum Bahnhof, dann über die Fußgängerbrücke, die die Gleise überspannt und schließlich noch ein Stück durch einen Waldstreifen bis ans Ufer. Dieser Tag war wahrlich kein Badetag. Daher schlenderten wir am Ufer entlang in Richtung Hafen und kehrten nach einigen hundert Metern wieder um.

Nachdem wir zurück zum zentralen Platz geschlendert waren, stiegen wir in ein Marschroutentaxi (eine Kleinbus, der eine festgelegte Strecke fährt und bei Bedarf, wie ein Taxi angewunken werden kann - die Fahrt kostete im Stadtbereich 8 Rubel). Es war inzwischen später Nachmittag und auf uns wartete, wie bereits am Tag zuvor Saschas Sauna.

Johannes und Matze im Tauchbecken - die Linse des Fotoapparates beschlägt bereits.Johannes und Matze im Tauchbecken - die Linse des Fotoapparates beschlägt bereits.Oliver und Ich im Relax-Raum der Sauna - Bald kommt der Vertreter für Baikal-Duftöle.Oliver und Ich im Relax-Raum der Sauna - Bald kommt der Vertreter für Baikal-Duftöle.Nach dem letzten Saunagang gönne ich mir ein Bier.
Nach dem letzten Saunagang gönne ich mir ein Bier.
In der Sauna hielten wir uns bestimmt einige Stunden auf. Neben der Sauna, die nach allen Regeln der Kunst als russische Banja angelegt war und dem obligatorischen Waschbereich und Tauchbecken gab es noch einen Aufenthaltsraum, der mit Kunstvollen Holzschnitzereien verziert war. Dort gönnte ich mir nach den Saunagängen noch ein Bierchen.

Während wir noch in der Sauna waren, stellte sich Besuch ein, ein von Aljona vermittelter - ja nennen wir ihn mal so: freischaffender Düfte-Hersteller, der aus einheimischen Pflanzen ätherische Öle in Handarbeit herstellt. Da vor allem die Frauen, Franziska und Regina daran Interesse hatten kam er nun und präsentierte seine Öle. Aufgrund des knappen Timings einigten wir uns darauf, dies im Ruheraum von Saschas Sauna zu machen. Doch schließlich meinten auch einige der Jungs, dass so eine Ampulle Original-Öl aus der Baikalregion, von Hand gewonnen, ein schönes Souvenir sei und kauften ebenfalls etwas. Es gab zu jedem Fläschchen auch eine Art Beipackzettel mit entsprechenden Verwendungstipps.

Schließlich rief und Wirtin Nadja voller Ungeduld zum Abendbrot, da sie wieder Warmes zubereitet hatte, was kalt zu werden drohte.

Es wäre noch zu erwähnen, dass weitere vier junge Leute zu uns gestoßen waren (ich weiß leider nicht mehr genau, ob an diesem Tag oder bereits am Tag zuvor), welche mit Helmut eine große Eurasien-Reise antreten wollten, die im wesentlichen per Zug bis Schanghai und über Zentralasien zurück nach Europa führen sollte. Diese Reise war ein Planungs-Genie-Streich von Helmut und den Link zu seiner großen Eurasia-Tour möchte ich niemandem vorenthalten.

Regina und Ich hatten für heute genug und begaben uns langsam zur Ruhe, während Matthias und Johannes sich nochmal mit den Sewerobaikalsker Freunden trafen um Nadja und Semjon (Aljonas jüngerer Bruder) zum Zug nach Irkutsk zu begleiten.

Ecopatrol Ende - Die Zivilisation hat uns wieder

14.08.05 16:00 Uhr: Wir nähern uns Sewerobaikalsk. Beim Einlaufen in den Hafen sind alle wieder putzmunter. Nur etwas fröstelnd nach dem Schläfchen an Bord stehen einige an der Reeling. Wir werden am Pier empfangen.

Beide Mariasows sind da und wir sehen einen orangefarbenen Bus am Ende des Piers. Es ist der SchTEO-Bus (SchTEO: Schule für Tourismus und Ökologische Bildung). Einige Eltern der Sewerobaikalsker Teilnehmer sind auch da und begrüßen ihre Kinder, aber auch uns herzlichst. Nun beginnt ein emsiges Treiben, wobei allen wieder warm wird. Das Gepäck und die Ausrüstung wird von Bord geladen und zum Bus geschleppt. Dann heißt's "Aufstellung nehmen zum Gruppenfoto. Die Zivilisation hat uns wieder!

Dann heißt es: Aufstellung nehmen zum Gruppenfoto. Die Zivilisation hat uns wieder!
Dann heißt's "Aufstellung nehmen zum Gruppenfoto. Die Zivilisation hat uns wieder!
Dann steigen alle in den Bus und es geht in Richtung SchTEO. Mir wird das merkwürdige Gefühl stehts in Erinnerung bleiben, welches ich empfand, als ich nach diesen zwei Wochen erstmals wieder Autoverkehr sah. Obwohl in Sewerobaikalsks wirklich nicht viel Verkehr ist, kam es mir einfach unwirklich vor.

im SchTEO hieß es dann nochmal ausladen. Dann kam ein herzlicher Abschied und Mariasow offenbarte uns, er hätte ein nettes Hotel, eine Art Pension für uns aufgetrieben, wo man uns schon erwartet. Also ging es nochmal mit dem Bus ein Stück weiter - nach Außerhalb. Unser Ziel war eine Eigenheimsiedlung auf der anderen Seite des Tyja-Flusses: Saretschnoje (Zarechnoye). Dort fuhren wir noch bis ganz ans Ende dieser Siedlung, wo hinter ein paar versteuten Weideflächen bereits wieder die Wildnis begann. Unser Ziel war erreicht. Eine Holzvilla die uns auf Anhieb gefiel.

Unser Ziel war erreicht. Eine Holzvilla die uns auf Anhieb gefiel.
Unser Ziel war erreicht. Eine Holzvilla die uns auf Anhieb gefiel.
Hier lernten wir Sascha Kropatschjow und seine Frau Nadeschda kennen, unsere Gastgeber. Das Haus hatte zwei Etagen. In der Oberen befanden sich vier Zimmer und eine verglaste Veranda, die im Sommer ebenfalls als Gästezimmer genutzt wurde. Unten waren Diele, Küche, Wohnzimmer, und die Räume der Gastgeber. Über den Hof gab es eine hervorragende Sauna. Nach den Worten von Sascha, der ein begeisterter Saunagänger ist, die Beste in Sewerobaikalsk. Er bot sie uns auch gleich zur Nutzung an. Sascha ist wirklich eine Plaudertasche. Mit Oliver versuchte er dann noch, seine angestaubten Französischkenntnisse zu trainieren - armer Oliver. Alles in allem waren wir aber glücklich angekommen und hatten einen Abend mit Komfort in höchster Vollendung, der nach einem opulenten Abendbrot mit Saschas Begrüßungswodka in weichen, bequemen Betten endete.

(Mehr über Saschas Pension hier)

Ecopatrol Tag 8 - Tal der Geysire

9.8.2005 15:00 Uhr: Der Weg zu den Quellen verlief entlang einer "Hauptallee" vom Bootsanleger etwa 200 Meter in Landesinnere. Die Allee war ein Sandweg auf heideartigem Grund. Rechts und Links standen ab und zu Holzhäuser zwischen den Bäumen. Am Ende dieser "Allee" lag ein sandiger Platz, an dem sich links das "Kraftwerk" - ein tuckernder Dieselgenerator in einem Holzschuppen - und rechts die Kantine befand. Weiterhin grenzten an diesen Platz (eher eine Heide-Lichtung) ein paar Wirtschaftsgebäude aus Holz und ein Volleyballplatz.

Ging man nach rechts
an der Kantine vorbei, kam man an ein kunstvoll mit Schnitzereien verziertes Tor mit der Inschrift: "Tal der Geysire". Hinter dem Tor führte ein Weg, der mit Holzplanken ausgelegt war, weniger als 100 Meter bis zu der Lichtung mit den heissen Quellen. Dort konnten wir auch den örtlichen Holzbildhauer bei der Arbeit an einer neuen Skulptur beobachten.

Das größere Becken (mit einer geringeren Zuflussrate aus der Quelle) war erträglich und man konnte es darin ein Weilchen aushalten.
Das größere Becken (mit einer geringeren Zuflussrate aus der Quelle) war erträglich und man konnte es darin ein Weilchen aushalten.
Schließlich erreichten wir in
Gänsereihe die heißen Quellen. Nachdem wir uns in den Umkleidekabinen in die Badesachen geworfen hatten, probierten wir reihum die heißen bis sehr heißen Becken. Sie wurden über unterschiedlich starke Zuflüsse aus der Hauptquelle gespeist und waren deshalb auch unterschiedlich heiß. Es gab auch eine Trinkquelle und eine sogenannte Augenquelle, mit deren Wasser man die Augen spülen sollte. Die Augenquelle war die einzige kühle Quelle, außer einem kleinen Bächlein, welches bereits oberirdisch in die Lichtung floß und sich weiter unten mit dem heißen Bach aus der Hauptquelle vereinte.

Tanja war nicht gleich mitgekommen. Sie hatte zuvor bei der Verwaltung vorgesprochen, ob unsere Gruppe in der Kantine ein Abendbrot bekommen könnte. Nach erfolgter Zusage, hatten wir eine festgelegte Zeit genannt bekommen, zu der wir ein Essen bekommen würden, so dass wir unseren Besuch in den Quellen danach ausrichteten.

Beim Abendbrot: Es gab ein 3-Gänge-Menue, welches so opulent wie ein Mittagessen war.
Beim Abendbrot: Es gab ein 3-Gänge-Menue, welches so opulent wie ein Mittagessen war.
Als die Zeit zum Essen herangekommen war, hatten wir ohnehin genug vom Faulenzen im heissen Wasser. Wir zogen uns wieder an und gingen zur Kantine.

Zum Abendbrot gab es ein Einheits-3-Gänge-Menue, bestehend aus Vorsuppe, gebratenem Omul mit Beilage und einem Trinkkompott als Nachtisch - sehr typisch für russische Kantinen, aber eigentlich ein vollwertiges Mittagessen.

Leider ist das Wetter nicht besser geworden. Es nieselte immer mal wieder. Aber wir ließen es uns nicht nehmen, am Lagerfeuer sitzend, einige Extras zu genießen, die wir zuvor im Dorfladen erstanden haben: Bier, Säfte, diverse Süßriegel und Chips. Dies alles wurde mit so großer Begeisterung konsumiert, dass Johannes und Matthias nochmals Nachschub holten.

Leider verstärkte sich der Regen und trieb uns schließlich in die Zelte.

Die Perle Sibiriens

Blick von den Klippen über das Dorf Baikalskoje in Richtung Baikalgebirge südwestlich von Sewerobaikalsk
Der Baikal ist der tiefste und älteste See der Welt. Er enthält 20% des gesamten Trinkwassers unseres blauen Planeten und liegt im Süden von Sibirien zwischen schneebedeckten Bergen, endlosen Taigawäldern und weiter Steppe. Er hat mit seiner Pracht und Reinheit Generationen von Poeten, Schriftstellern und Malern inspiriert und wurde 1996 wegen seiner unglaublichen Schönheit und seiner einzigartigen Biodiversität von der UNESCO in die Liste der Stätten des Weltnaturerbes aufgenommen. Ein Wanderweg rund um diesen einzigartigen See, dieses Ziel hat sich die NGO Great Baikal Trail gestellt. Nach dem Vorbild ähnlicher Projekte wie dem Great Appalachian Trail in den USA soll damit der ökologische Tourismus in dieser Region gefördert werden.

GBT logoDer Great Baikal Trail ist eine gemeinnützige, non-profit Organisation, die einerseits im Rahmen von internationalen Freiwilligencamps an dem ersten nationalen, über 2100 km langen, ökologischen Wanderweg Russlands baut, ihn erhält, für ihn wirbt, ihn schützt und somit einen Weg zur nachhaltigen Entwicklung der Baikalregion aufzeigt und aufbaut. Andererseits möchte GBT durch Bildungsprojekte, Jugendarbeit und den Aufbau eines Systems der Zusammenarbeit von gesellschaftlichen Organisationen, staatlichen Strukturen, Unternehmen und der lokalen Bevölkerung einen Beitrag zur Bildung einer verantwortungsbewussten Gesellschaft leisten.

Wir haben an diesem Projekt mitgewirkt, indem wir 2005 und 2006 an einem "volunteer camp" des GBT teilnahmen. Mit diesem Blog möchte ich eine Retrospektive auf diese Reisen werfen, die mit dem nächsten Beitrag beginnen soll.