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Bridge of Friendship - Tag 5: Der Nord-Pylon steht

Die Streifenhörnchen (Burunduks) wurden von Tag zu Tag kecker und bedienten sich bald selbst am Frühstückstisch - hier ein stibitzter Kecks.Die Streifenhörnchen (Burunduks) wurden von Tag zu Tag kecker und bedienten sich bald selbst am Frühstückstisch - hier ein stibitzter Kecks.Blick nach Süden - das Tarp des Pickniks liegt geschützt hinter den Dünen.Blick nach Süden - das Tarp des Pickniks liegt geschützt hinter den Dünen.Um am Pylon zu arbeiten, bauten wir eine große Anstellleiter aus Brettern. Christian verbindet hier gerade die Pfosten.Um am Pylon zu arbeiten, bauten wir eine große Anstellleiter aus Brettern. Christian verbindet hier gerade die Pfosten.
08.07.06: Heute sollte der erste Pylon seine Gestalt bekommen - die Tragekonstruktion am Nordufer. Das Ziel war es, diese komplett fertig zu stellen. Natürlich begann dieser Tag auch wieder mit allgemeinem Wecken und enspanntem Frühstück, zumindest für alle, die keinen Küchendienst hatten. An unserem Frühstückstisch fanden sich wieder Gäste ein, die zunehmend kecker und mutiger wurden. Es waren Streifenhörnchen - Burunduks. Sie hatten ihre Scheu schon soweit abgelegt, dass sie sogar vom Tisch an dem wir saßen, allerlei Leckereien stibitzten, Brotkrümel oder sogar ganze Kekse. Aber auch an der Abfallgrube sicherten sie sich einiges an Essbarem.

Um in der Höhe der Pfosten arbeiten zu können, benötigten wir entsprechende Technologien - simpel ausgedrückt eine Leiter. Da wir keine hatten, mussten wir etwas in dieser Art selber bauen. Auch um die Pfosten vor dem Umstürzen zu sichern, war eine Verschwerterung mit Brettern erforderlich, die später wieder entfernt werden würde. Für beides benötigten wir Bauholz, am besten Bretter oder Bohlen. Da wir derartiges Material beim Leiter des Sanatoriums gesehen hatten, wandten wir uns mit Tanja an ihn. Er half uns bereitwillig aus. Was immer wir bräuchten, sollten wir uns nehmen.

Trotz des großzügigen Angebotes wollten wir nicht zu verschwenderisch mit dem Material umgehen und gestalteten die Leiter (eher ein Anstellgerüst) so, dass man die Bretter später für andere Teile der Brücke wiederverwenden konnte.

Um die notwendigen Arbeiten an der Konstruktion musste ich mich selbst kümmern, so dass die Anleitung zu parallelen Arbeiten, sofern es nicht Christian tat, etwas auf der Strecke blieb. Das führte dazu, dass manche häufiger Leerlauf hatten und sich im Schatten niederließen, ohne dass es gleich auffiel. Das sollte an den kommenden Arbeitstagen noch häufiger vorkommen. Natürlich sollte jeder nach eigenem Empfinden Pausen einlegen, aber einfach nichts zu tun, weil der der nächste Arbeitschritt unklar ist und sich nicht mit seinem Problem zu melden, dass gefiel mir nicht wirklich.

Der Grund am Nordufer ist sumpfig - daher auch die Balkenlage zum Aufnehmen des Druckes. Die Pfostenlöcher und Zwischenräume wurden mit Kieselsteinen und Sand vefüllt.Der Grund am Nordufer ist sumpfig - daher auch die Balkenlage zum Aufnehmen des Druckes. Die Pfostenlöcher und Zwischenräume wurden mit Kieselsteinen und Sand vefüllt.Schon bald nachdem etwas sichtbar über den Boden ragte, stellten sich die ersten Neugierigen ein.Schon bald nachdem etwas sichtbar über den Boden ragte, stellten sich die ersten Neugierigen ein.Die Mädchen schleppten Unmengen Sand vom Strand zum Bauplatz - meistens in Plastikschüsseln.Die Mädchen schleppten Unmengen Sand vom Strand zum Bauplatz - meistens in Plastikschüsseln.
Die veranschlagten Arbeiten waren eigentlich keine große Sache - scheinbar. Es ging schließlich nur um vier Balken und zwei-drei Verstrebungen, die zu einem Gebilde zusammengefügt werden sollten. Aber technologisch war es natürlich etwas komplizierter. Die Arbeiten fanden auf engem Raum statt. Für Arbeiten in der Höhe mussten wir auf dem leiterartigen Gerüst stehen, was dank der großzügigen Dimensionierung aber bis zu zwei Personen sein konnten. Und die Ausklinkungen mussten durch mehrmaliges Anpassen beim Aufstellen korrigiert werden. Arbeitete jemand oben auf dem Gerüst mit dem Hammer oder mit anderem Werkzeug, ließ ich das Gerüst durch jemanden - meistens war es Oliver - sichern und untersagte Arbeiten im Bereich darunter. Einmal viel auch jemandem ein Hammer hinunter, was den Sinn dieser Maßnahme deutlich machte.

Christian hatte offensichtlich Spaß daran, selbst auf das Gerüst zu steigen und verschiedene Arbeiten in der Höhe durchzuführen, wie das Anpassen der ausgeklinkten Balken und das Aufnageln der Stahlbänder. Aber auch Ich hatte die eine oder andere Arbeit in luftiger Höhe durchgeführt und fand erhebend mit dem Blick über unser Baufeld zu arbeiten.

Im unteren Bereich gab es auch eine Menge kleinerer Arbeitsschritte durchzuführen, wie zum Beispiel die Verbindung der Pfosten, Sattelbalken und Fundamentbalken mit Winkeln, Lochplatten und Stahlbändern. Die Mädchen verfüllten und verdichteten den Raum um die Fundamentbalken herum, wofür sie große Mengen an Sand und Kieselsteinen vom Strand herbeischleppten.

Besonders fleißig war die kleine Tanja, die sich immer Arbeit suchte und auch unliebsame Tätigkeiten verrichtete, wie das Lackieren der Stahlbeschläge.

Schließlich stellten wir die erste Tragekonstruktion planmäßig fertig und konnten uns auf den kommenden freien Tag freuen.

Bridge of Friendship - Tag 4: Das erste Fundament

Während im Hindergrund das Fundament der Nordpylone ausgerichtet wird, schält die kleine Tanja Rinde von einem Stamm.Während im Hindergrund das Fundament der Nordpylone ausgerichtet wird, schält die kleine Tanja Rinde von einem Stamm.Ein Strigun-Käfer sonnt sich auf einer abgelegten Jacke.Ein Strigun-Käfer sonnt sich auf einer abgelegten Jacke.
08.07.06: Der Tag begann, wie der Tag zuvor. Das Wecken der Truppe erforderte einiges an Nachdruck. Es war ein Samstag. Wir hatten uns darauf geeinigt, unsere ersten zwei freien Tage zu nehmen, wenn wir einen sichtbaren Teil der Arbeiten fertig hätten. Das sollte die Fertigstellung beider Fundamente sein.

Im Verlauf der Zeit bildete sich eine Arbeitsteilung heraus, die zwar einerseits aufgrund der Zeitknappheit optimal war, andererseits dem einen Teil die anspruchsvolleren Arbeiten und dem anderen Teil die stupiden Arbeiten zuteil werden ließ. Vor allem die Mädchen schälten Rinde von den Baumstämmen, schleppten Sand und Kiesel zum Verfüllen und flochten die Seilschlaufen.

Egor und Sascha waren die Kraftmeier. Sie fällten Bäume, schleppten sie aus dem Wald oder hoben die Gruben aus. Christian war vor allem auf handwerklich anspruchsvolle Arbeiten spezialisiert, leitete an und beriet mit mir die Probleme und Lösungen. Regina bewirtschaftete das Camp, wobei ihr reihum jeden Tag jemand anderes als Küchenhilfe zugeteilt wurde.

Da ich ständig hin und her gerissen wurde zwischen dem Beaufsichtigen und Anleiten, aber auch Arbeiten, die ich selbst ausführen musste, war Oliver als Assistent sehr hilfreich. Hilfsarbeiten, ohne die es nicht weitergegangen wäre, erledigte er zuverlässig.

Am Ende dieses Tages war auch das zweite Fundament fertig und und der Mast der erster Tragekonstruktion war aufgestellt. Damit hätten wir uns die ersten zwei freien Tage gönnen dürfen. Da wir aber noch keine fünf Arbeitstage am Stück absolviert hatten, schlug ich vor, noch einen weiteren Tag zu arbeiten und eine Tragekonstruktion fertig zu stellen. Die weiteren Aufwände ließen sich danach viel besser abschätzen - war meine Argumentation. Mit mehr oder weniger großer Begeisterung wurde der Vorschlag akzeptiert.

Der erste Pfosten der Nordpylone steht im Abendrot.Der erste Pfosten der Nordpylone steht im Abendrot.Sonnenuntergang - Der rote Feuerball versinkt hinter dem Kamm des Baikalgebirges am Westufer des Sees.Sonnenuntergang - Der rote Feuerball versinkt hinter dem Kamm des Baikalgebirges am Westufer des Sees.
Ich spürte, dass nicht alle in gleicher Weise eine Begeisterung für das Projekt entwickelten. Vermutlich konnten sich die meisten das Ergebnis nicht wirklich vorstellen und die gleichzeitig recht eng vorgegebenen Arbeitsabläufe begeisterten sie nicht wirklich. Vor allem bei der großen Tanja, die ja offiziell als Brigadierin eingesetzt war, waren die Zweifel offenkundig. Eine nicht ungefährliche Entwicklung, wenn eine verantwortliche Person in einen offenkundigen Konflikt mit einem anderen Verantwortlichen tritt. Allerdings hatte sie keine Lösungsalternativen für das Projekt, so dass es bei einer mehr oder weniger offenkundig zur Schau getragenen Lustlosigkeit blieb.

Auch Oliver entgingen diese Befindlichkeiten nicht. Im war auch deutlich anzusehen, dass er die Rolle, welche Olga zunehmend einnahm missbilligte. Ihr Desinteresse am Projekt war offensichtlich. Sie schien eigene Vorstellungen davon zu haben, wie sie die Zeit verbringen würde. Doch noch äußerte ich mich nicht dazu, obwohl ich ebenfalls ein etwas vorbildhafteres und motivierendes Auftreten der immerhin Zweitältesten in der Truppe erwartet hätte.

Beim allabendlichen Besuch der Thermalquellen lockerten wir im heißen Wasser wieder etwas auf und der Anblick des ersten Pfostens im Abendrot, ganz ohne das hektische Getümmel vermittelte das Gefühl, dass wir es schaffen würden. Die abendliche Ruhe am verlassenen Bauplatz hatte vor dem Hintergrund eines traumhaften Sonnenunterganges sogar etwas unheimlich Romantisches.

Bridge of Friendship - Tag 3: Die Arbeiten beginnen

Erläuterung der Konstruktion mit hilfe eines Models aus Hölzchen im Sand.Erläuterung der Konstruktion mit hilfe eines Models aus Hölzchen im Sand.In der Mittagspause brauchten wir nur ein paar hundert Meter den Strand entlang zu laufen, um an den gedeckten Mittagstisch zu gelangen.In der Mittagspause brauchten wir nur ein paar hundert Meter den Strand entlang zu laufen, um an den gedeckten Mittagstisch zu gelangen.Am Abend war Enspannung in den Dünen angesagt.Am Abend war Enspannung in den Dünen angesagt.
07.07.06: Der Tag begann, wie von nun an jeder Arbeitstag beginnen würde, nämlich damit, dass Regina und ich aufstanden, Feuer machten, Wasser für Tee und Kascha aufsetzten und etwa gegen acht Uhr den Rest der Truppe weckten. Dar Tisch war bereits gedeckt. Gegen neun war das Frühstück beendet und bis auf den Küchendienst bewegte sich die Truppe zum Baufeld.

Jetzt begann die eigentliche Herausforderung. Die bestand darin, alle gleichzeitig zu beschäftigen. Ich hatte keine Ahnung wie schwierig das noch werden sollte, denn kaum einer, ach was, überhaupt niemand war ein Profi für solche Arbeiten und kaum einer hatte das Projekt im Detail erfasst. Zu meinem großen Glück erwies sich Christian als riesige Hilfe beim Anleiten anderer für verschiedenste Arbeiten, ein echter Ko-Bauleiter.

Um zu veranschaulichen, wie sich die Arbeiten über die Tage verteilten und wie straff doch die Planung angesichts der wenigen Zeit war, empfehle ich, meine Präsentation Bridge Building Story" anzuschauen. Aber so anspruchsvoll, wie die Aufgabe technisch und technologisch auch sein mochte, es war längst noch nicht alles, was es an Herausforderungen zu bewältigen gab.

Das Schwierigste für mich war immer wieder, die verschiedenen notwendigen Arbeiten breit zu verteilen und parallel durchführen zu lassen. Es ist eine echte Herausforderung, eine Gruppe Jugendlicher dabei permanent anzuleiten und zu motivieren und ich meine, ich bin diese Herausforderung nur teilweise gerecht geworden.

Bevor wir zum Bauplatz gingen, erläuterte ich die Konstruktion anhand eines Minimodels aus kleinen Hölzern, die ich mir aus Zweigen herausbrach. Im Sand neben unserer Picknicklounge baute ich das Brückenmodell auf und versuchte, die Bauphasen zu erklären. Anfangs schien nur Christian wirklich zu erfassen, was ich erzählte.

Der Küchendienst beim Geschirr spülen am Steg.Der Küchendienst beim Geschirr spülen am Steg.Die Zelte unseres Camps waren in der heideartigen Taiga zwischen den Bäumen verstreut.Die Zelte unseres Camps waren in der heideartigen Taiga zwischen den Bäumen verstreut.Aber zu den Dünen, von wo aus dieses Foto entstand, waren es nur ein paar Schritte.Aber zu den Dünen, von wo aus dieses Foto entstand, waren es nur ein paar Schritte.
An diesem ersten echten Arbeitstag ebneten wir die Baufelder für beide Fundamente ein, besorgten passende Baumstämme für Grund- und Sattelbalken, schälten sie und schnitten die Stämme für das erste Fundament zurecht. Nach dem Anpassen und Ausklinken beendeten wir den ersten Arbeitstag mit der Fertigstellung des ersten Fundaments.

Das Gute an diesem Projekt war, dass es keine weiten Wege gab. zum Mittagessen konnten wir immer schnell zum Camp gehen und uns dort vom Küchendienst bewirten lassen. Wir hatten uns wieder darauf verständigt, dass Regina das Regiment über die Vorräte und die Küche führt und ihr jeden Tag ein wechselnder Küchengehilfe zugeteilt wird. an diesem Tag war es Mascha.

Letztlich hat der Küchendienst den längsten Arbeitstag von allen. Während die anderen bereits verschiedenen Freizeitbeschäftigungen nachgingen, wie zum Beispiel Federball in den Sanddünen, war für die Diensthabenden noch Geschirr spülen angesagt.

Aber zu den heißen Quellen gingen schließlich alle gemeinsam.

Bridge of Friendship - Tag 2: Ein Tag für die Infrastruktur

Die Picknicklounge nimmt Konturen an, das Tarp wird aufgespannt.Die Picknicklounge nimmt Konturen an, das Tarp wird aufgespannt.Die erste gemeinsame Malzeit in unserer Picknicklounge.Die erste gemeinsame Malzeit in unserer Picknicklounge.Christian und Johannes beim Bau des Steges.Christian und Johannes beim Bau des Steges.
06.07.06: Der zweite Tag ging nochmals auf die Erschließung der Infrastruktur drauf. Im Ergebnis hatten wir eine Kochstelle mit Sitzrondell, eine neue Grube mit einem (vorhandenem) Plumpsklo-Verschlag, eine Picknik-Lounge mit Tarp-Überspannung.
Unsere Campingstelle war wirklich schön ausgesucht, aber einen entscheidenden Nachteil hatte sie - ein Bach war leider nicht in der Nähe. So mussten wir das Wasser aus dem Baikal nehmen, was bei Wellengang nicht ganz einfach wäre. Daher errichteten wir noch unter maßgeblicher Anleitung von Christian einen Steg zum Wasserholen.

Dieser Steg hatte einen weiteren Vorteil. Da zu dieser Zeit die Zedern blühten, war der gelbe Blütenstaub überall und sammelte sich auf dem Wasser des Baikal vor allem im Spülsaum der Wellen am Ufer. Durch den Steg konnte man nun von weiter draußen klares Wasser schöpfen, ohne ins Wasser steigen zu müssen.

Bei all den Arbeiten konnten wir uns aus alten Brettern von Überresten irgendwelcher Holzverschläge bedienen, welche vermutlich von früheren Camps in diesen Dünen hinterlassen wurden.

Die Kochstelle war eine besonders wichtige Einrichtung. Wir sorgten für einen angemessenen Sicherheitsabstand zwischen dem Lagerfeuer und dem brennbaren Umfeld. Schließlich war die Vegetation zur Zeit sehr trocken. Eine umlaufende Bank gestattete es allen, einigermaßen bequem am Feuer zu sitzen.

Eine Ortsbegehung unserer künftigen Baufeldes fand auch an diesem Tag statt. Wir nahmen ein paar Vermessungen vor und legten die Lage der beiden Fundamente fest. Morgen sollte es richtig losgehen.

Schon bald stellten sich die ersten neugierigen Besucher ein. Später würden die Streifenhörnchen fast zur Plage werden.Schon bald stellten sich die ersten neugierigen Besucher ein. Später würden die Streifenhörnchen fast zur Plage werden.Nach dem abendlichen Besuch der heißen Quellen sitzen Oliver und ich beim Sonnenuntergang vor dem kleinen Laden.Nach dem abendlichen Besuch der heißen Quellen sitzen Oliver und ich beim Sonnenuntergang vor dem kleinen Laden.Den Abend lässt jeder auf seine Weise ausklingen - besonders romantisch ist es natürlich am Lagerfeuer.Den Abend lässt jeder auf seine Weise ausklingen - besonders romantisch ist es natürlich am Lagerfeuer.
Recht bald stellten sich die ersten neugierigen Besucher ein. Es waren Streifenhörnchen - auf russisch Burunduk genannt - welche sich scheinbar für unsere Kochkünste interessierten. Natürlich fanden wir die posierlichen Tierchen süß und spendierten ihnen den einen oder anderen Happen. vielleicht war das ein Fehler, denn die Anzahl der Steifenhörnchen und ihre Zutraulichkeit sollten von Tag zu Tag zunehmen.

Nach unserem Tagwerk nutzten wir natürlich die Möglichkeit, in den heißen Quellen zu relaxen. Den Weg über einige hundert Meter bis zu den Quellen würden wir von nun an jeden Abend gehen. Aber auch eine andere Erfahrung - eher eine Plage - würde uns nun allabentlich heimsuchen: Schwärme von blutsaugenden Mücken.

Der Weg zu den Quellen führte durch die wenigen Häuser des Sanatoriums Khakusy vorbei, so auch an einem kleinen Lädchen, wo wir uns auf dem Rückweg mit Kleinigkeiten versorgten. Auf der Bank vor diesem Lädchen mit Blick auf den Baikal genossen wir den Sonnenuntergang über dem Westufer des Sees. Dann ließen wir den Abend am Lagerfeuer ausklingen.

Bridge of Friendship - Tag 1: Überfahrt nach Chakusy

Zunächst beluden wir den SchTEO-Bus mit unserer Camp-Ausrüstung, dann gings nach Nishneangarsk zum Hafen.Zunächst beluden wir den SchTEO-Bus mit unserer Camp-Ausrüstung, dann gings nach Nishneangarsk zum Hafen.Der Bus am Anleger in Nishneangarsk. Von unserem Boot war weit und breit nichts zu sehen.Der Bus am Anleger in Nishneangarsk. Von unserem Boot war weit und breit nichts zu sehen.Wir bildeten eine Kette und entluden den Bus. Unser Boot war inzwischen auch da, aber wir durften noch nicht an Bord.Wir bildeten eine Kette und entluden den Bus. Unser Boot war inzwischen auch da, aber wir durften noch nicht an Bord.
05.07.06: Dieser Tag war der Anreisetag ins diesjährige Camp - das GBT-Projekt "Bridge of Friendship" in Chakusy (engl. Khakusy). Er galt als erster Tag unseres Projektes.

Er begann mit einem Frühstück im SchTEO, welches bereits mit unseren Campvorräten bereitet wurde. Dann wurde der SchTEO-eigene Bus beladen. Unser Gepäck, die Vorräte, das Werkzeug und Material. Mir fiel auf, dass die Beschläge zwar solide gemacht, aber noch nicht gestrichen waren. Da sie aus C-Stahl waren, würden sie einen Korrosionsschutz benötigen. Wir würden sie also vor Ort anstreichen müssen. Die Farbe dafür stand auch bereit und amüsierte mich, es war Rosa.

Nachdem der Bus beladen war, gab es noch ein Gruppenfoto vor dem SchTEO. Dann stiegen wir ein und fuhren nach Nishneangarsk. Von Sewerobaikalsk sind das etwa 30 Kilometer. Die Straße ist asphaltiert und verläuft parallel zu den BAM-Gleisen, die etwas oberhalb der Straße teilweise in Tunneln verschwindet.

Nach etwa dreißig Minuten sind wir in Nishneangarsk. Diese Siedlung ist nicht erst mit der BAM entstanden, wie Sewerobaikalsk und ist daher deutlich älter. Deshalb ist sie auch Sitz der Rajon-Verwaltung für den Nordbaikalkreis. Hier befindet sich auch der regionale Flughafen, welcher mehrmals mal pro Woche sowohl aus Irkutsk als auch aus Ulan-Ude angeflogen wird.

Am Pier angekommen sehen wir ein Boot liegen, einen Kutter der Jaroslavez-Klasse, von dem es aber hieß, es sei nicht unseres. Wir bildeten eine Kette und entluden den Bus. Das Gepäck und die Camp-Utensilien stapelten wir direkt auf dem Anleger.

Nachdem der Kapitän das Boarding genehmigt hatte, luden wir das Gepäck aufs Oberdeck und bald danach legten wir ab.Nachdem der Kapitän das Boarding genehmigt hatte, luden wir das Gepäck aufs Oberdeck und bald danach legten wir ab.Nach einer teilweise etwas verschlafenen Überfahrt kommen die Holzhäuser von Chakusy in Sicht.Nach einer teilweise etwas verschlafenen Überfahrt kommen die Holzhäuser von Chakusy in Sicht.An diesem Tag kümmern wir uns um die Infrastruktur, richten die Kochstelle ein und beginnen mit der Picknik-Launch.An diesem Tag kümmern wir uns um die Infrastruktur, richten die Kochstelle ein und beginnen mit der Picknik-Launch.
Dann hieß es, das ist wohl doch unser Boot, sein Name war ja auch "Chakusy", wie unser Ziel. Aber weil der Kapitän noch nicht da war, durfte auch noch keiner an Bord. Irgendwann ging es dann aber los. Wieder eine Kette bilden und auf dem Oberdeck des Kutters stapeln. Als wir endlich ablegten, hantierte ich wohl etwas zu hecktisch mit meinem Fernglas und schwups, opferte ich eine Objektivkappe dem Vater Baikal. Ich hoffte, er wird mir die nächsten Tage wohl gesonnen bleiben.

Die Überfahrt dauerte etwas mehr als drei Stunden. Dann tauchte die Silhouette der Bucht von Chakusy auf. An Bord waren auch Elena Lagutina vom GBT, die sich ein Bild von der Arbeit des GBT am Nordbaikal machen wollte und wie sich während der Fahrt herausstellte, auch Sergej Nikolajewitsch, der Verwalter des Khakusy Sanatoriums. Von ihm erhielten wir im Verlauf des Projektes eine sehr gute Unterstützung.

Nach dem Anlegen wurde es noch mal hart: Kette bilden und alles auf dem Anleger stapeln. Dann den Traktor beladen (Laut Christian nennt man das Fahrzeug richtiger weise Geräteträger). Dieser brachte die Sachen bis an die Mündung des Flüsschens - unseres Flüsschens. Nun hieß es, eine Camp-Stelle ausfindig zu machen. Wir entschieden uns für einen lichten, heideartigen Taigaabschnitt mit angrenzenden Dünen zum Baikal hin. Der große Nachteil war, wir müssten alles noch fast 500 Meter schleppen, wobei wir alle mehrmals gehen mussten, bis alles vor Ort war.

Die auserwählte Stelle war sehr lauschig und für die Größe unseres Camp war ausreichend Platz geboten. Nur für die Infrastruktur musste noch gesorgt werden. Aus den Artefakten und Brettern älterer Camps begannen wir zuerst mit der Feuerstelle. Gleichzeitig bauten alle ihre Zelte auf. Als Nächstes machten wir uns an die Picknick-Lounge.

Ecopatrol Ende - Die Zivilisation hat uns wieder

14.08.05 16:00 Uhr: Wir nähern uns Sewerobaikalsk. Beim Einlaufen in den Hafen sind alle wieder putzmunter. Nur etwas fröstelnd nach dem Schläfchen an Bord stehen einige an der Reeling. Wir werden am Pier empfangen.

Beide Mariasows sind da und wir sehen einen orangefarbenen Bus am Ende des Piers. Es ist der SchTEO-Bus (SchTEO: Schule für Tourismus und Ökologische Bildung). Einige Eltern der Sewerobaikalsker Teilnehmer sind auch da und begrüßen ihre Kinder, aber auch uns herzlichst. Nun beginnt ein emsiges Treiben, wobei allen wieder warm wird. Das Gepäck und die Ausrüstung wird von Bord geladen und zum Bus geschleppt. Dann heißt's "Aufstellung nehmen zum Gruppenfoto. Die Zivilisation hat uns wieder!

Dann heißt es: Aufstellung nehmen zum Gruppenfoto. Die Zivilisation hat uns wieder!
Dann heißt's "Aufstellung nehmen zum Gruppenfoto. Die Zivilisation hat uns wieder!
Dann steigen alle in den Bus und es geht in Richtung SchTEO. Mir wird das merkwürdige Gefühl stehts in Erinnerung bleiben, welches ich empfand, als ich nach diesen zwei Wochen erstmals wieder Autoverkehr sah. Obwohl in Sewerobaikalsks wirklich nicht viel Verkehr ist, kam es mir einfach unwirklich vor.

im SchTEO hieß es dann nochmal ausladen. Dann kam ein herzlicher Abschied und Mariasow offenbarte uns, er hätte ein nettes Hotel, eine Art Pension für uns aufgetrieben, wo man uns schon erwartet. Also ging es nochmal mit dem Bus ein Stück weiter - nach Außerhalb. Unser Ziel war eine Eigenheimsiedlung auf der anderen Seite des Tyja-Flusses: Saretschnoje (Zarechnoye). Dort fuhren wir noch bis ganz ans Ende dieser Siedlung, wo hinter ein paar versteuten Weideflächen bereits wieder die Wildnis begann. Unser Ziel war erreicht. Eine Holzvilla die uns auf Anhieb gefiel.

Unser Ziel war erreicht. Eine Holzvilla die uns auf Anhieb gefiel.
Unser Ziel war erreicht. Eine Holzvilla die uns auf Anhieb gefiel.
Hier lernten wir Sascha Kropatschjow und seine Frau Nadeschda kennen, unsere Gastgeber. Das Haus hatte zwei Etagen. In der Oberen befanden sich vier Zimmer und eine verglaste Veranda, die im Sommer ebenfalls als Gästezimmer genutzt wurde. Unten waren Diele, Küche, Wohnzimmer, und die Räume der Gastgeber. Über den Hof gab es eine hervorragende Sauna. Nach den Worten von Sascha, der ein begeisterter Saunagänger ist, die Beste in Sewerobaikalsk. Er bot sie uns auch gleich zur Nutzung an. Sascha ist wirklich eine Plaudertasche. Mit Oliver versuchte er dann noch, seine angestaubten Französischkenntnisse zu trainieren - armer Oliver. Alles in allem waren wir aber glücklich angekommen und hatten einen Abend mit Komfort in höchster Vollendung, der nach einem opulenten Abendbrot mit Saschas Begrüßungswodka in weichen, bequemen Betten endete.

(Mehr über Saschas Pension hier)

Ecopatrol Tag 13 - Zitterpartie bis zum Finale

14.08.05 7:00 Uhr: Da wir am Morgem keine besonderen Verpflichtungen haben, stehen wir eher spät auf. Bis auf die Ungewissheit der Rückreise sind wir ziemlich gelassen. Es hatte wieder geregnet in der Nacht und war recht frisch an diesem Morgen. Trotzdem hatten zwei Männer aus der Irkutsker Truppe bereits im Baikal gebadet - harte Burschen - und waren gerade dabei, das Kochfeuer zu entfachen. Wir würden sie mit dem Kochen vorlassen.

Der Franzose mit dem aufblasbaren Kajak und sein Sherpa aus Sewerobaikalsk kamen auch bald aus ihren Zelten und begannen, für den Aufstieg zum Frolicha-See zu packen. Irgendwann waren sie soweit, verabschiedeten sich und zogen los.

Das gecharterte Minikreuzfahrtboot lag ebenfalls noch in der Bucht. Wann der sportliche Geschäftsmann seine Wanderung von Chakusy beendet hatte und in der Ajaja eintraf, haben wir nicht mitbekommen, aber auf dem Boot war noch nicht viel zu sehen. Nur der Skipper war an Land gekommen und streunte durch das Unterholz am Ufer auf der Suche nach Zedernzapfen (Zapfen der sibirischen Zirbelkiefer, deren Kerne essbar sind, ähnlich den Pinienkernen). Wir entschlossen uns, ihn wegen einer Mitreisegelegenheit anzusprechen.

Das Boot lief aus und verließ die Ajaja-Bucht. Dies war nun der entgültige Abschied. Alle hatten sich am Achterschiff versammelt und schauten zurück.Das Boot lief aus und verließ die Ajaja-Bucht. Dies war nun der entgültige Abschied. Alle hatten sich am Achterschiff versammelt und schauten zurück.Der Wind auf dem See war frisch und die Wolken vermittelten eine düstere Stimmung. Die Berge hinter der Ajaja wirkten dunkel und bedrohlich.Der Wind auf dem See war frisch und die Wolken vermittelten eine düstere Stimmung. Die Berge hinter der Ajaja wirkten dunkel und bedrohlich.Das einzige Fahrzeug in Chakusy: Ein Trekker-artiges Fahrzeug, ein sogenannter Geräteträger.
Das einzige Fahrzeug in Chakusy: Ein Trekker-artiges Fahrzeug, ein sogenannter Geräteträger.
Gesagt, getan - wir sprachen ihn an und schnell entwickelte sich eine Preisverhandlung. Ich argumentierte, dass ich keinen Spielraum beim Geld hätte, da unsere Überfahrt bereits anderweitig bezahlt wurde und bot ihm maximal 120 Dollar. Ich erklärte, seine Fahrt sei ja ebenfalls schon bezahlt und unser Obulus wäre für ihn "add on" - ein Zuverdienst. Er müsse nur seine Charterkunden fragen, ob sie etwas dagegen hätten. Wir waren aber in dieser Frage zuversichtlich, da sich unsere Schweizer Franziska und Oliver, die beide Französisch sprechen, bereits am Vorabend mit einigen der Franzosen unterhalten hatten und unsere Lage schilderten. Wir hofften also auf deren Verständnis.
Der Skipper schien darauf einzugehen, wollte aber nochmal Rücksprache nehmen. Wir warteten. Doch dann erschien er wieder und begann neu zu verhandeln. Verschiedenste Gründe brachte er nun hervor, warum es auf einmal problematisch war, bis hin zur Anzahl der Personen: 12 Personen seien über der zulässigen Anzahl und der Kapitän risikiert somit sein Patent.

Schließlich gab es auch einen Preis, mit dem dieses Risiko bezahlt werden sollte: 400 Dollar. Eigentlich wäre das immer noch eine annehmbare Summe für solch eine Überfahrt, aber einerseits war es nicht akzeptabel, in einer Preisverhandlung eine "mehr als Verdreifachung" hinzunehmen und andererseits meinte Tanja, wir sollten das GBT-Budget nicht mit einer solchen Ausgabe belasten. Aljona würde bestimmt ein anderes Boot auftreiben. Also gingen wir darauf nicht ein, konnten uns aber mit dem Skipper darauf einigen, einen von uns nach Sewerobaikalsk mitzunehmen, damit derjenige unsere Lage bei Aljona klarmachen konnte. Die Wahl viel auf Andrej. Gegen Mittag lief das Boot schließlich aus - mit Andrej an Bord, der etwas unglücklich dreinschaute.

Wir aber warten weiter, warteten Stunden bis schließlich wieder ein Boot Kurs auf das Ufer nahm. Als es sich dem Ufer näherte - es war wieder ein Boot der Jaroslawets-Klasse - erkannten wir am Bug Aljona und wer stand da neben ihr? - Andrej!

Der Kutter lag am Anleger und wartete. Die Luft war heute frisch und klar, sodass man die andere Seite des Sees sehen konnte, den Gipfelzug des Baikalskij Chrebet.Der Kutter lag am Anleger und wartete. Die Luft war heute frisch und klar, sodass man die andere Seite des Sees sehen konnte, den Gipfelzug des Baikalskij Chrebet.Vor der Silhouette des Bargusinskij Chrebet im Osten, der durch die Wolkenformationen umso beeindruckender wirkte, entstand diese Foto (Oliver, Aljona, Franziska und ich v.r.n.l an der Reeling)Vor der Silhouette des Bargusinskij Chrebet im Osten, der durch die Wolkenformationen umso beeindruckender wirkte, entstand diese Foto (Oliver, Aljona, Franziska und ich v.r.n.l an der Reeling)Tanja und Andrej unter Deck: satt, kuschelig warm und müde.
Tanja und Andrej unter Deck: satt, kuschelig warm und müde.
Natürlich waren wir diesmal mehr als abreisebereit. Allemann waren am Ufer. Das Gepäck war ladebereit aufgereiht. Kaum war der Steg ausgelegt sprang Andrej hinab und wir brachten emsig das Gepäck an Bord. Dass dies unser Boot war, stand außer Zweifel. Es war ein Boot der Fischereiaufsicht. Aljona begrüßte alle herzlich. Nur mich schaute sie bei der Begrüßung etwas verlegen an. Sie meinte wohl, ich könnte sauer sein, weil nunmehr zum zweiten mal die Abreise schief gelaufen war.

Das Boot lief aus und verließ die Ajaja-Bucht. Dies war nun der entgültige Abschied. Alle hatten sich am Achterschiff versammelt und schauten zurück.

Das Boot nahm jedoch erst noch Kurs Richtung Süden mit dem Ziel Chakusy. Es gab weitere Passagiere, die einen Kurzausflug dorthin machten. Auch Ausländer, darunter eine Östereicherin, waren an Bord.

Der Wind auf dem See war frisch und die Wolken vermittelten eine düstere Stimmung. Die Berge hinter der Ajaja wirkten dunkel und bedrohlich. Doch bis Chakusy erwischten wir dann doch noch einen heiteren Himmelsabschnitt.

In Chakusy lag der Kutter etwa 2 Stunden, Zeit in der die Tagesgäste den Ort erkunden und ein kurzes Bad in den heissen Quellen nehmen konnten. Wir unternahmen auch einen kleinen Spaziergang. Da kam mir noch eine Kuriosität vor's Objektiv, das einzige Fahrzeug in Chakusy: Ein Trekker-artiges Fahrzeug, ein sogenannter Geräteträger.

Während dessen lag der Kutter am Anleger und wartete. Die Luft war heute frisch und klar, sodass man die andere Seite des Sees sehen konnte, den Gipfelzug des Baikalskij Chrebet.

Schließlich war Abfahrt und es ging entgültig in Richtung Sewerobaikalsk mit Kurs Nord-Nordwest. Eine Fahrt von 3 Stunden stand uns bevor. Bei einem Blick zurück sahen wir die Silhouette des Bargusinskij Chrebet im Osten, der durch die Wolkenformationen umso beeindruckender wirkte.

Über Deck wurde es mit der Zeit kalt und unter Deck wurden wir müde. Einige schliefen schon bald. Aljona überraschte uns allerdings noch mit einem Picknick unter Deck mit einer großen Wassermelone als Nachtisch. Danach machten es sich alle in der Kajüte bequem.

Die Maschinen liefen mit voller Kraft und trugen uns dem Ende unseres Projektes "Ecopatrol Ajaja" in Sewerobaikalsk entgegen.

Ecopatrol Tag 12 - verdammter Jermak

13.08.05 5:30 Uhr: Regina und ich sind im Begriff, aufzustehen und die Lage zu peilen, da ertönt vom Wasser her ein Nebelhorn. Es kommt mir bekannt vor. Der Kutter namens "Jermak" - genau der mit dem merkwürdigen Skipper - kündigt auf diese Weise stehts sein Auslaufen oder Einlaufen an. Ich laufe ein Stück in Richtung Bucht, bis ich einen Blick aufs Wasser bekomme und tatsächlich, der Jermak läuft das Ufer an. Schnell laufe ich zum Camp zurück und rufe: "Das Schiff läuft ein! Allemann aufstehen und packen!" Dann laufe ich wieder zum Ufer, um zu klären, ob es wirklich unser Boot ist.

Es ist unser Boot. Nachdem es angelandet ist und den Laufsteg ausgelegt hat, spreche ich den Skipper darauf an. Es bestätigt sich, dass es uns abholen soll. Dennoch habe ich wieder Kommunikationsprobleme mit diesem Typen. Er faselt einfach dummes Zeug und geht auf meine Frage nicht ein. Ich merke auch, dass er nach Alkohol stinkt.

Ich: "Seid ihr das Boot für die GBT-Volunteure?"
Skipper:"Wollt ihr Volunteure diesmal zahlen?"
Ich: "Wieso zahlen? Der Transport ist bestellt und soweit ich weiß, bezahlt der GBT in Sewerobaikalsk dafür."
Skipper:"Also wollt ihr nicht zahlen?!"
Ich: "Wie gesagt, kläre die Bezahlung mit Aljona?"
Der Skipper ließ von dem Thema jedoch einfach nicht ab und ich wurde missmutig und sagte: "Entweder seid ihr für uns gechartert oder nicht! Wenn Du soweit bist, mir eine klare Antwort zu geben, findest Du mich in unserem Camp!". Ich machte mich daraufhin auf, dass Boot zu verlassen.
Nun rief er mir hinterher: "Heh warte, wir fahren zu den Sludjanka Seen!" Da fühlte ich mich vollends auf den Arm genommen und stapfte wütend mit den Worten davon:
"Du machst wohl Witze! Wenn Du wieder klar denken kannst, komm zum Camp und sag Bescheid!".

Leider wahr dies wohl ein großes Missverständnis. Die Fahrt sollte tatsächlich zu den Sludjanka-Seen (am gegenüberliegenden Ufer des Baikal) gehen. Es sollte wohl eine Überraschung von Aljona sein, weil wir einen Tag früher von der Ajaja-Bucht zurückfahren sollten. Das konnte ich natürlich nicht wissen und nach dem hässlichen Disput mit dem Skipper dachte ich einfach, der verarscht mich.

Im Camp trieb ich dann den Abbau und das Packen voran, was man vom Ufer aus wegen des Unterholzes nicht sehen konnte. Es war ein feuchter und trüber Morgen und in der Nacht hatte es geregnet. Es war also recht widrig für einen schnellen Campabbau.

Der Skipper war wohl zu stolz, um ins Camp zu kommen und ich war zu stolz um zum Ufer zu gehen. Nach zirka 45 Minuten bat ich Nadja und Tanja, zum Boot zu gehen und dem Skipper mitzuteilen, dass das Camp nun weitestgehend abgebaut sei und wir in einer Viertelstunde bereit seien, an Bord zu kommen. Die Mädchen gingen los, doch in diesem Augenblick ertönte das Nebelhorn. Kurz darauf kamen sie zurück und sagten, dass das Boot bereits ausläuft. Verdammter Jermak! Später würde er erzählen, er habe anderthalb Stunden vergeblich gewartet und sei dann ohne uns gefahren.

Uns blieb an diesem Tag nur der Blick hinaus auf die verlassene Ajaja-Bucht bei verhangenem Himmel. Unser Blick haftete an der 4,6 km entfernten Landzunge um ein Boot zu entdecken, welches zum Vorschein käme und Kurs aufs Ufer nehmen würde.Uns blieb an diesem Tag nur der Blick hinaus auf die verlassene Ajaja-Bucht bei verhangenem Himmel. Unser Blick haftete an der 4,6 km entfernten Landzunge um ein Boot zu entdecken, welches zum Vorschein käme und Kurs aufs Ufer nehmen würde.Wie belämmert liefen wir am Strand herum und waren ratlos. Die Rückfahrt war nun ins Ungewisse gerückt.Wie belämmert liefen wir am Strand herum und waren ratlos. Die Rückfahrt war nun ins Ungewisse gerückt.Als immer klarer wurde, dass sich die Überfahrt heute erledigt hatte, richteten wir das Lager nochmal ein, allerdings auf Abruf - die meisten Sachen blieben gepackt.
Als immer klarer wurde, dass sich die Überfahrt heute erledigt hatte, richteten wir das Lager nochmal ein, allerdings auf Abruf - die meisten Sachen blieben gepackt.
Wir saßen also wieder fest. Der einzige Trost war, das wir eh einen Tag zu früh mit der Rückfahrt waren. Das Wetter widerum war trüb und kalt. Dies würde wohl ein Frusttag werden.

Wie belämmert liefen wir am Strand herum und waren ratlos. Die Rückfahrt war nun ins Ungewisse gerückt. Uns blieb an diesem Tag nur der Anblick des unwirtlichen Sees mit Sicht hinaus auf die verlassene Ajaja-Bucht bei verhangenem Himmel. Unser Blick haftete an der 4,6 km entfernten Landzunge um ein Boot zu entdecken, welches zum Vorschein käme und Kurs aufs Ufer nehmen würde.

Zumindest konnten wir nun doch richtig Frühstück machen und wie gewohnt Tee und Kascha kochen - wenigstens was!

Als immer klarer wurde, dass sich die Überfahrt heute erledigt hatte, richteten wir das Lager nochmal ein, allerdings auf Abruf - die meisten Sachen blieben gepackt.

Die Irkutsker Truppe, welche in der Nähe kampierte, war nun auch beim Frühstücken. Der Großteil von ihnen wollte heute zum Frolichasee wandern. Sie brachen recht bald auf und ließen drei ihrer Leute am Camp zurück, zwei von ihnen waren die Kinder von älteren Gruppenmitgliedern - echte Stadt-Teenager, die keine Lust zum Wandern hatten.

So verging dieser Tag. Die Wanderer kehrten zum Abend wieder ins Camp zurück und ein Schiff lief in die Bucht ein. Es war ein Kutter der Jaroslawets-Klasse, welches zum Minikreuzfahrtschiff umgebaut war. Es war von einer Gruppe um einen französischen Geschäftsmann gechartert worden. Dieser war, wie seine Leute berichteten, wohl auf einen Tagesmarsch von Chakusy zur Ajaja aufgebrochen und wollte hier wieder an Bord gehen. Nun lag das Boot hier vor Anker und wartete auf ihn.

Natürlich zogen wir es in Betracht, mit diesem Schiff mitzukommen. Es sollte am nächsten Morgen auslaufen und der Parkwächter sagte, er habe mit denen gesprochen. Es sei grundsätzlich möglich.

In der Abenddämmerung bekamen wir weiteren Zulauf. Ein winziger Punkt tauchte auf dem Wasser auf. Ein aufblasbarer Kajak mit zwei Personen. Nach einer ewigen Stunde (Die Ajaja-Bucht hat eine Länge von etwa 4,6 km) kamen sie erschöpft am Ufer an. Es war ebenfalls ein Franzose und sein Scout, eine SchTEO-Guide aus Sewerobaikalsk. Der Guide kannte Jegor und Andrej und der Franzose schloss sich unserer geselligen Runde an, die Dank des Gitarrenspiels der Irkutsker in Gang gekommen ist. Abgesehen von der Ungewissheit im Bezug auf die Rückfahrt war es ein schöner Abend und wir hatten das Gefühl, dass es uns eigentlich gar nicht wegzog von hier.

Ecopatrol Tag 11 - Abschied vom Frolicha See

12.08.05: Gestern ist ein Brief übergeben worden. Tanja hatte mich informiert. Ein handgeschriebener Zettel von Aljona mit neuesten Informationen über unsere Rückfahrt ist mit irgend einem Schiff mitgebracht worden und Tanja ausgehändigt worden. Mit welchem Schiff - vielleicht mit dem Jermak, ich weiß es nicht mehr genau. Auf jeden Fall war die wichtigste Aussage:

Heute wird der letzte Tag an der Ajaja und am Frolicha See sein, denn morgen in aller Frühe - also einen Tage früher, als ursprünglich geplant - wir uns ein Boot abholen. Keine Uhrzeit wurde genannt. Es stand nur: früh am Morgen.

Helmut und ich am unteren Auslauf des Frolicha-Sees.Helmut und ich am unteren Auslauf des Frolicha-Sees.Trotz der zwei vergangenen Regentage konnte man auch am Frolichasee erkennen, dass die Niederschlagsmenge der letzten Wochen nicht ausreichend gewesen war. Man konnte die trockengefallenen Flächen mit Binsenbewuchs gut erkennen.Trotz der zwei vergangenen Regentage konnte man auch am Frolichasee erkennen, dass die Niederschlagsmenge der letzten Wochen nicht ausreichend gewesen war. Man konnte die trockengefallenen Flächen mit Binsenbewuchs gut erkennen.Hier ließen wir wir uns auf ein paar Geröllbrocken am Ufer nieder, genossen den Ausblick und fotografierten.
Hier ließen wir wir uns auf ein paar Geröllbrocken am Ufer nieder, genossen den Ausblick und fotografierten.
Die meisten unternahmen nach dem Frühstück nochmal eine Wanderung. Der Großteil davon ging wieder in Richtung Frolicha See. Das Wetter war heiter bis wolkig, kein Regen, aber auch nicht zu heiß - ideal zum Wandern. Wir gingen zusammen mit Oliver und Helmut zum See, ohne eine straffe Wanderung unternehmen zu wollen. Einfach nur ein bisschen Zeit an den Gestaden des Frolicha-Sees verbringen, relaxen und die Silhouette der Berge genießen. Nach einer gemütlichen Stunde des Aufstieges waren wir am Ziel.

Am unteren Auslauf des Frolicha-Sees kampierte eine Gruppe, die am Tag zuvor zum See hinaufgezogen war. Die meisten von denen war gerade mit Booten auf dem See unterwegs. Nur ein älterer Mann - ein bärtiger Trappertyp und eine Frau waren im Lager und kochten eine Fischsuppe, eine "Ucha" (engl. Ukha). Der Mann bot uns an, von der Suppe zu kosten und füllte etwas davon als Bouillon in Becher, so dass wir sie (ohne Löffel) trinken und Brot dazu essen konnten. Sie war vorzüglich, aber scharf. Nach ein wenig Small-Talk und einem Dank an die Köche gingen wir ein Stück am Südufer entlang.

Wir passierten die Stelle, wo sich der kleinere Auslaufsee nochmal verjüngt und einen Durchfluss vom eigentlichen großen Frolicha-See zu diesem unteren See bildet. Trotz der zwei vergangenen Regentage konnte man auch am Frolichasee erkennen, dass die Niederschlagsmenge der letzten Wochen nicht ausreichend gewesen war. Man konnte die trockengefallenen Flächen mit Binsenbewuchs gut erkennen und wir mussten an die Waldbrände bei Sewerobaikalsk denken.

Wir zogen weiter am Ufer entlang, bis sich der Blick über den See in Richtung der Berge vollends öffnete.

Hier ließen wir wir uns auf ein paar Geröllbrocken am Ufer nieder, genossen den Ausblick und fotografierten. Das Wechselspiel von Sonne und Schatten, hervorgerufen durch die vorüber ziehenden Wolken, tauchte den See und die Berge in immer wieder anderes Licht und veränderte ständig dessen Stimmung.

Beim Blick über den See konnte man die beiden Inselchen im See gut erkennen. Eine davon trägt den Namen Nishni.Beim Blick über den See konnte man die beiden Inselchen im See gut erkennen. Eine davon trägt den Namen "Nishni".Matthias und Johannes brachten das Feuer in Gang und wie konnte es anders sein, wenn Ljuba mit von der Partie war: es wurden Spiele gespielt.Matthias und Johannes brachten das Feuer in Gang und wie konnte es anders sein, wenn Ljuba mit von der Partie war: es wurden Spiele gespielt.Mit zunehmender Dunkelheit wurde es romantischer und die Ajaja zeigte sich nochmal stimmungsvoll.
Mit zunehmender Dunkelheit wurde es romantischer und die Ajaja zeigte sich nochmal stimmungsvoll.
Beim Blick über den See konnte man die beiden Inselchen im See gut erkennen. Eine davon trägt den Namen "Nishni". Kaum vorstellbar, dass beide Inseln relativ nahe zu unserem Standort lagen und der See dahinter noch mehrere Kilometer weit in die Berge verlief. Die höchten Gipfel hinter dem See waren etwa 2000 Meter hoch.

Wir liefen noch ein wenig weiter am Ufer entlang. Der Pfad verlor sich irgendwann vollends und man konnten nur noch über das Geröll am Ufer vorankommen. Schließlich beschlossen wir, umzukehren.

Wieder zurück im Lager, stellten wir fest, dass wir weitere Gesellschaft bekommen hatten. Eine Gruppe aus Irkutsk hatte ihr Lager unweit von unserem aufgeschlagen und waren mit den üblichen Verrichtungen eines solchen Outdoor-Camps beschäftigt: Lagerfeuer, Essen kochen, Geselligkeit. Wir kamen mit ihnen ins Gespräch -
ein langjährig eingespieltes Team mit Outdoor-Erfahrung, interessante Leute und sie hatten auch eine Gitarre dabei, was der Lagerfeuer-Romantik sehr zuträglich war.

Wir sollten an diesem Abend jedoch eigene Pläne für einen geselligen Abend haben. Das hatten sich Matthias und Johannes überlegt. Da dies außerplanmäßig unser letzter Abend hier werden sollte, haben sie während unserer Abwesenheit direkt am Ufer einen Platz für einen geselligen Abschiedsabend hergerichtet.

Sie haben tagsüber jede Menge Holz gehackt, einen Kreis aus Stämmen zum Sitzen gelegt und die Stätte dekoriert. Es sollte ein gemütliches und geselliges Beisammensein, letzmalig an den Gestaden der Ajaja-Bucht sein. In der Abenddämmerung sollte es losgehen.

Wolodja der Ranger tauchte auch nochmal auf. Auch er sprach von dem Boot morgen früh, welches uns abholen sollte. Auch seine Aussage war vage, er sagte auch nur: "Morgen, ziemlich früh."

Wir wurden nochmal richtig ausgelassen und haben viel gelacht und geblödelt.
Wir wurden nochmal richtig ausgelassen und haben viel gelacht und geblödelt.
Daher hatten wir uns entschlossen, einige Dinge schon zu packen und am nächsten Morgen relativ früh aufzustehen. Doch nun sollte unser Abschlussabend beginnen.

Matthias und Johannes brachten das Feuer in Gang und wie konnte es anders sein, wenn Ljuba mit von der Partie war: es wurden Spiele gespielt. Wir wurden nochmal richtig ausgelassen und haben viel gelacht und geblödelt. Mit zunehmender Dunkelheit wurde es romantischer und die Ajaja zeigte sich nochmal stimmungsvoll.

Da die Abfahrt am nächsten Morgen sehr früh stattfinden sollte, gingen Regina und ich schließlich ins Zelt ohne es zu versäumen, der Jugend anzumahnen, nicht zu lange zu feiern.

Ecopatrol Tag 10 - zwischen Baum und Borke

11.08.05 7:30 Uhr: Nach dieser Nacht in der Blockhütte waren alle gut ausgeruht und bestätigten, gut geschlafen zu haben. Tanja war bereits draußen und mit dem obligatorischen Kochen von Tee und Kascha beschäftigt.

Morgenstimmung hinter der Blockhütte im regenfeuchten Wald. Mal war die Szenerie in weiße Nebelschwaden gehüllt, mal brachen die Sonnenstrahlen durch.Morgenstimmung hinter der Blockhütte im regenfeuchten Wald. Mal war die Szenerie in weiße Nebelschwaden gehüllt, mal brachen die Sonnenstrahlen durch.Millionenfach glitzerten Wassertropfen im Geäst und es wurde offensichtlich, wie die Moose und Flechten in den Ästen der Nadelbäume ihre Wachstum sicherten.
Millionenfach glitzerten Wassertropfen im Geäst und es wurde offensichtlich, wie die Moose und Flechten in den Ästen der Nadelbäume ihre Wachstum sicherten.
Beim Gang nach draußen zum Plumsklo empfing mich eine diffus-gleißende Morgenstimmung. Der Wald dampfte und war von Nebelschwaden durchzogen, die durch die schräg hereinbrechenden Sonnenstrahlen weiß leuchteten. Im Gras und in den Bäumen glitzerten millionenfach kleine Wasserperlen. Ein wunderschöner Anblick, aber die Kälte, wie im Altweibersommer zog einem in die Knochen. Dennoch streifte ich noch zehn Minuten hinter der Blockhütte durch den Wald und kehrte dann zurück in die Hütte, wo das Frühstück bereits angerichtet war.

Der Grund für unser frühes Aufstehen war die Ungewissheit, wann unser Boot oder wenigststens irgend ein Schiff in die gleiche Richtung fahren würde. Wir packten also unsere Rucksäcke und brachten sie zu einem Unterstand am Anleger, einer Art Picknick-Pavillion mit Dach und Sitzbänken. Dort legten wir Wachen fest - je zwei Mann für je eine Stunde - und gaben dem Rest der Truppe die Möglichkeit, die Wartezeit nach ihren Wünschen zu Verbringen. Die meisten gingen wieder zu den heissen Quellen, einige hingen in der näheren Umgebung herum, kauften Souvenire - bemalte Steine und Ähnliches von einer hier ansässigen Burjatin oder erledigten sonstige Dinge. Helmut entdeckte direkt am Anleger eine Steckdose mit Spannung drauf und nutzte das für eine Elektrorasur.
Für alle, die keine Wache hatten galt aber, stündlich beim Anleger vorbeischauen und die Lage peilen.

Am Anleger: Tanja genießt die Morgenstimmung während der Wache und hält gleichzeitig Ausschau nach einem Boot, welches uns zurück zur Ajaja-Bucht bringen könnte. Im Hintergrund Erkennt man Nebelschwaden und tiefziehende Wolkenreste.Am Anleger: Tanja genießt die Morgenstimmung während der Wache und hält gleichzeitig Ausschau nach einem Boot, welches uns zurück zur Ajaja-Bucht bringen könnte. Im Hintergrund Erkennt man Nebelschwaden und tiefziehende Wolkenreste.Die Szenerie wiederholt sich. Immer wieder machten Boote am Anleger von Chakusy fest - manchmal bis zu drei Boote gleichzeitig - aber keiner wollte uns mitnehmen.
Die Szenerie wiederholt sich. Immer wieder machten Boote am Anleger von Chakusy fest - manchmal bis zu drei Boote gleichzeitig - aber keiner wollte uns mitnehmen.
Da wir uns nicht darauf verlassen konnten und wollten, dass ein Boot speziell für uns kommen würde, versuchten wir, auf jedem Schiff, welches Chakusy anlief, nach einer Mitreisegelegenheit zu fragen. Auch der Administrator des Sanatoriums, Sergej Nikolajewitsch unterstützte unsere Bemühungen und versuchte, bei den Kapitänen ein Wort für uns einzulegen. Aber ein Schiff nach dem anderen wiegelte unsere Anfragen ab, jeweils mit unterschiedlichen Begründungen: "Wir fahren nicht dort vorbei", "Wir sind schon voll", "Wir dürfen niemanden außerplanmäßig mitnehmen".

Irgendwie hingen wir "zwischen Baum und Borke". Dieser Tag war durch die Ungewissheit des Wartens wie ein verlorener Tag, auch wenn jeder im Einzelnen etwas unternahm.

Es war inzwischen Nachmittag. Wir hatten ein ähnlich opulentes Mittagessen, wie am Vortage, in der Kantine zu uns genommen und hingen am Anleger herum. Die Hoffnung, heute noch hier wegzukommen schwand immer mehr. Ein weiteres Boot nahm Kurs auf Chakusy und kam näher. Nun ja, eigentlich bedeutete das nicht viel - solcher Boote hatten wir heute schon viele kommen und auch wieder fahren sehen. Als es am Anleger festmachte gingen wir mit Tanja wie schon etliche Male zuvor zum Skipper und fragten, ob er 10 Mann zur Ajaja-bucht mitnehmen könne...

Er reagierte etwas befremdlich. Anstatt auf unsere Frage zu antworten, rief er lauthals über den Anleger: "Die Volunteure zur Ajaja-Bucht ganz schnell herkommen und einsteigen!".
Nun ja, das war also unser Boot, nur der Skipper war ein komischer Vogel und kommandierte uns herum oder versuchte es zumindest, denn ich ignorierte seine Zurufe und ließ die Truppe eine Beladekette bilden. Bei der Menge des Gepäcks wäre es einfach nicht anders gegangen. Wenn jeder seinen (schweren) Rucksack selbst über die Reeling hätte bugsieren sollen, wäre es chaotisch und letztlicher langsamer über die Bühne gegangen. Der Skipper kommandierte zwar immer noch rum, aber sein Kapitän (ein älterer Bootführer) sagte ihm: "Lass sie mal, die machen das schon richtig" - leise zwar, aber so, dass ich es noch hören konnte.

Endlich wieder in der Ajaja-Bucht! Ausbooten am Strand in der Abendsonne.
Endlich wieder in der Ajaja-Bucht! Ausbooten am Strand in der Abendsonne.
Wir liefen nach dem Einschiffen zügig aus und entspannten uns schnell. Schließlich waren wir froh, dass es nun doch noch geklappt hatte und saßen alle Mann auf dem Achterschiff auf Bänken an einem Tisch. Der Skipper schien sich auch entspannt zu haben und war gelassener geworden. Was ihn bewogen hatten, uns zuvor so anzutreiben hatte ich mir mit seinem engen Zeitplan erklärt. Der Kapitän, der als Inhaber eines entsprechenden Patents ein Boot dieser Klasse steuern durfte, war ein ruhiger älterer Mann, der aber ansonsten offensichtlich dem Skipper unterstand. Er bewirtete uns mit Tee, was offensichtlich obligatorisch ist, wenn Passagiere länger als eine Stunde auf dem Baikal befördert werden - zumindest entspricht dies auch meinen späteren Erfahrungen.

Nach etwas mehr als einer Stunde erreichten wir unser Ziel, das Ufer der Ajaja-Bucht. Nach dem Ausbooten, lief das Schiff - es war der "Jermak", dem wir später nochmal begegnen sollten - wieder aus und wir widmeten und dem Zeltaufbau.

Andrej und Egor, die wir gesund und munter vorfanden, halfen uns dabei und auch beim Zubereiten des Abendbrotes, so dass und noch ein entspannter Abend vergönnt war.