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Fragen zum Reisen an den Baikal? Im Forum "Abenteuer Reise" antworten die Autoren des Blogs.

Richtung Ural

25.7.2005: Wir rollten in den Nachmittag, wir rollten in den Abend, wir rollten in die Nacht. Wir rollen unaufhaltsam in Richtung Osten. Viele tausend Kilomenter liegen vor uns.

Es ist eine sorglose Zeit. Man kann in hohem Maße entspannen und wer nicht der Typ ist für endloses Schauen aus dem Fenster, der sollte sich mit Lesestoff eindecken.

Verpflegungshalt
Auf längeren Halts wir auf dem Bahnsteig eifrig gehandelt und man kann sich umfassend verpflegen.
Natürlich wird auf dieser Zugfahrt auch angehalten, ziemlich oft sogar. Meist sind es Halts von nur einer bis drei Minuten, bei denen wenige Reisende zu- oder aussteigen. Bei solchen Halts ist es nicht vorgesehen, als Weiterreisender den Wagon zu verlassen. Aber alle 4 bis 5 Stunden hält der Zug länger - etwa 20 Minuten, oder mehr. Dabei wird üblicherweise die Lok gewechselt. Und da kann man auch den Wagon verlassen und sich auf dem Bahnsteig die Füße vertreten. Da diese längeren Halts meistens auch in größeren Städten stattfinden, ist hiermit auch wieder eine sanitäre Zone definiert und die Klos werden abgeschlossen (etwa 20-30 Minuten vor bis nach dem Halt). Dies kann man aber mit Hilfe der Stationspläne, die im Wagon aushängen, gut nachvollziehen. Die wichtigere Erkenntnis war aber: Diese Halts sind vor allem Verpflegungsstationen.

Verpflegungshalt
Dies ist unser Wagon. "Moskau-Tynda", Schlafwagenabteile 2ter Klasse. Die Bedeutung der Aufschrift "Ökonom Klasse" wurde uns erst am Abend offenbar: Sie beinhaltete eine warme Mahlzeit mit Getränken, welche von den Cateringpächtern des Speisewagens zu uns ins Abteil gebracht wurden. (und das, obwohl wir für unsere Tickets keinen Aufpreis für diesen Service bezahlt haben).
Der Bahnsteig ist voll von fliegenden Händlern, meist Frauen mit Körben und Taschen, aber auch professioneller wirkende Händler mit Ständen und Rollwagen.Verkauft wird alles, was ein Reisender so gebrauchen könnte und so manches, was er nicht braucht:

Essen, heiß oder kalt: Fertiggerichte, heiße und kalte Piroggen, Obst, Eingemachtes, Saure Gurken, Eis (im Sommer sehr passend!), Brot, Backwaren, Wurst und Käse.
Getränke: Bier, Kvas, Limonade, Mineralwasser, Cola, auch Wodka wenn gewünscht.
Sonstiges: Zeitschriften, Bücher, Zigaretten, Souvenirs, auch Leder- und Pelzwaren.

Die Preise sind normal, eher preiswert, vor allem, wenn man bei einem Großmütterchen Selbstangebautes aus dem eigenen Garten kauft.

Verpflegungshalt
Eine wichtige Einrichtung des Wagons ist der Heißwasserboiler. Hier bekommt man immer heisses Wasser für Tee, Kaffee oder eine heisse Fertigsuppe.
Man sollte dabei die Zeit nicht vergessen. Aber die Wagonbegleiter rufen dann auch lautstark, wenn der Halt zu Ende geht.

Eine wichtige Einrichtung des Wagons ist der Heißwasserboiler. Ursprünglich als Teewasserspender (also als fest installierter Samowar) konzipiert, konnte man nun außer Tee und Kaffee auch in sekundenschnelle eine heiße Fertigsuppe oder sogar eine 5-Minuten-Terrine aufbrühen (die man auch auf dem Bahnsteig bekommen konnte).

Wer aber den Wagonbegleitern ein kleines Zubrot bescheren will, kann auch bei ihnen Getränke und Süssigkeiten erhalten - auch hier sind die Preise moderat.

26.07.2005: In der Nacht entgeht uns leider der Blick auf den Kazaner Kreml. Der Zeitsplan der 76-ger Zuges kann auf der
Seite der Bahn gefunden werden. So rollten wir auch am nächsten Tag durch den europäischen Teil Russlands, damit unaufhaltsam auf den Ural und somit auf die Grenze zu Asien zu, die wir am Abend erreichen sollten.

Die lange BAM-Fahrt beginnt

Der riesige Wartesaal im Kazaner Bahnhof
Der riesige Wartesaal im Kazaner Bahnhof. Trotz der vielen Wartenden sind noch genügend Sitzplätze zu finden.
Wir hofften, auf dem Kazaner Bahnhof die Zeit bis zur Bereitstellung des Zuges auf irgendeiner Bank "verdösen" zu können. Diese Möglichkeit bot sich prinzipiell auch an - ein riesiger Wartesaal mit Sitzbänken. Obwohl er sehr voll wirkte, konnte man ausreichend freie Plätze finden - auch zusammenhängend für vier Personen. Obwohl die Akkustik in der gewölbeförmigen Halle zu einem dröhnenden Gemisch von hunderfachem Volksgemurmel, periodischen Lautsprecheransagen und dem Gedudel von in den Ecken platzierten Fernsehern wurde, obsiegte zumindest bei Johannes die Müdigkeit.

Es war gegen 10:00 Uhr, als wir diesen Wartesaal betraten. Um 14:00 sollte unser Zug (Nummer 76 Moskau-Tynda) losrollen.
Wir sprachen uns entsprechend ab, dass mindestens einer einen stetigen Blick aufs Gepäck hatte und wer nicht gerade versuchte, ein Nickerchen zu machen, streunte im Bahnhof umher.

An verschiedenen Kiosken kauften wir Brot, Wurst, Käse, Keckse, Piroggen, Kvas und Mineralwasser. An den Bahnsteigen (Der Kazaner Bahnhof ist, wie die meisten Moskauer Bahnhöfe, ein Kopfbahnhof) schauten wir immer wieder auf die große Anzeigetafel und versuchten auch einen Plan zu finden, auf dem das Abfahrtsgleis zu finden war. Etwas in dieser Art war jedoch nicht zu finden. Wie wir später erfuhren, sind die Abfahrtgleise üblicherweise nicht festgelegt und werden sehr kurzfristig vor Bereitstellung des Zuges angesagt, bzw. auf der Anzeigetafel ausgeschrieben (Was für Nichtsprachkundige wohl die einzige Informationsquelle ist).

Zurück zum Wartesaal. Der Tschetchenienkonflikt und die Anschläge in Moskau haben zu einer verstärkten Präsenz an Sicherheitskräften geführt. Das konnte man schon am Flughafen feststellen und hier auf dem Bahnhof sah man es auch. Milizstreifen schlenderten durch den Bahnhof und kontrollierten gezielt südländisch aussehende Personen.
Ich selbst verzichtete auf ein Schläfchen in der Hoffnung auf meine Koje im Zug und beobachtete das Treiben im Bahnhof.

Ein Hinweis für Personen mit schwacher Blase: es empfiehlt sich, auf dem Bahnhof nochmal die Toilette aufzusuchen, da die Zugtoiletten nach Abfahrt sehr lange (ca. 2h) geschlossen bleiben. Die Zugtoiletten sind nach dem Prinzip der offenen Entsorgung konstruiert (Klappe nach unten auf die Gleise), so dass in den sanitären Zonen von Großstädten die Toiletten von den Wagonbegleitern abgeschlossen werden. Für Moskau ist diese sanitäre Zone extrem weit gefasst.

auf diesem Foto habe ich mal den handyfonierenden russischen Businessman nachgeahmt - aber vor allem wird die Gemütlichkeit des Schlafwagenabteils deutlich
Auf diesem Foto habe ich mal den handyfonierenden russischen Businessman nachgeahmt - aber vor allem wird die Gemütlichkeit des Schlafwagenabteils deutlich.
Schließlich ist es soweit. Der Zug wird angekündigt und ausgeschrieben - weniger als 30 Minuten vor Abfahrt. Viele Reisende setzten sich in Bewegung und verteilen sich auf dem Bahnsteig. Es dauert nochmal etwa zehn Minuten, dann rollt der Zug ein.

Nun beginnt die typische Prozedur des Einlasses. Jeder Wagon wird nur an einem Ende vom jeweiligen Wagonbegleiter (meist Frauen - Provodnitza genannt) geöffnet. Nach einem Blick auf die Fahrkarten und den Pass lässt sie den Fahrgast passieren. Dies könnte man durchaus als Boarding bezeichnen. Ob die Fahrkarten und Pässe gleich einbehalten werden, oder später nochmal eingesammelt werden, hängt vom Andrang und den jewiligen Wagonbegleitern ab. In unserem Falle hieß es (da ich mich als russisch sprechend offenbarte): "Ich komme nachher zu ihnen und sie erklären mir, wie ihre Fahrkarten zu interpretieren sind". Ein klares Zeichen dafür, dass eine unbekannte Art von Fahrkarte nicht zu Zweifeln oder Diskussionen führt, sondern durchaus auf Vertrauen gesetzt wird, eine Erfahrung, die sich wiederholt bestätigte.

Wenn man zu viert in sein Abteil kommt und beginnt, das Gepäck zu verstauen und zur Ruhe zu kommen vergeht doch einige Zeit und man stellt auf einmal fest: der Zug rollt. Dann klopft schon bald die Provodnitza an der Tür des Abteils und nachdem alle Ticketfragen beantwortet sind, hat man mit dem Wagonpersonal praktisch schon Freundschaft geschlossen.

Nun kann das große Relaxen beginnen viele Tage Besinnlichkeit, Landschaften vorbei gleiten sehen, Schlafen und Essen.

Es geht los


Gruppenphoto in Strausberg bei Berlin vor der Abfahrt zum Flughafen Schönefeld
24.7.2005: Wir starten gegen Mittag. Mit dem Auto fahren wir von Achim nach Berlin und wollen dort das Auto bei einer Verwandten abstellen.

Bei ihr essen wir zu Mittag (es war allerdings schon später Nachmittag), lassen uns gemeinsam ablichten und werden schließlich zum Flughafen Berlin Schönefeld gefahren. Der Flug sollte kurz nach Mitternacht gehen, aber wir sind schon irgendwann gegen 21:00 Uhr am Flughafen.

Leider ist der Checkin für unsereren Flug noch nicht möglich, so dass wir am Abflugterminal warten, ohne dass wir in den (etwas gemütlicheren) Sicherheitsbereich kommen. Die Nacht würde kurz werden und der folgende Tag lang und hart - das ist uns jetzt schon klar.
Gruppenphoto in Strausberg bei Berlin
Flughafen Schönefeld - Warten am Check-In

Ja, da lob ich mir manchmal die Lufthansa, wo ich über Quick-Checkin oder gar zu Hause über mein LH-Login eine Bordkarte bekomme und ohne eine solche Einschränkung in den Sichrheitsbereich gelange.

Irgendwann gegen 23:00 Uhr begann das Boarding und wir durften nach der Sicherheitskontrolle (nochmal fast zwei Stunden) etwas bequemer warten. In einer Bar der Boardingzone tranken wir noch etwas (ich hatte ein Weißbier) zur späten Stunde und schließlich wurde ge-board-et. Ja, damit legten wir unsere Schicksal bis Moskau in die Hände der Aeroflot-Piloten.

Einige Tage zuvor hatte ich die Idee, ein Taxi in Moskau übers Internet zu reservieren und einen Deal für 3-4 Stunden zu machen. Sozusagen eine kleine Stadtrundfahrt zu organisieren. Dazu recherchierte hin und her und fand auch einige Seiten, wo man einen Van stundenweise mieten konnte. Ich handelte schließlich telefonisch ein Angebot aus, dass einen Van für 4 Stunden mit Abholung vom Airport Sheremetewo 2 beinhaltete.

Als wir in Moskau landeten, graute der Morgen, besser - er glühte im Morgenrot. Es war gegen 5:00 Uhr am 25.07.2005. Die Einreisekontrolle war ätzend, wie immer in Sherementevo II - an der Passkontrolle stets zu wenig Schalter geöffnet und Schlangen, die sich in Menschentrauben verloren.
Nachdem wir offiziell eingereist waren und unser Gepäck empfangen hatten, kämpften wir uns durch das Getümmel der Ankunftshalle und siehe da, ein Schild mit der vereinbarten Aufschrift.
Wir sprachen unseren Taxifahrer an und gingen zum Taxi, einem älteren amerikanischen Van. Ich fragte nochmal, ob ihm das mit den 4 Stunden bekannt sei. Er bestätigte es und ich erläuterte ihm die Route, die mir für unsere kleine Stadtrundfahrt vorschwebte:

  • Erstmal ins Stadtzentrum,
  • einmal über den inneren Ring (bei Gelegenheit Rubel tauschen)
  • Manegenplatz, Dzershinski-Platz, Taganka, Uferstraße bis Hotel Rossia,
  • roter Platz mit Halt und Spaziergang
  • Fahrt zur Kropotkinskaja (Halt an der Erlöserkathedrale)
  • Weiterfahrt zu Lomonossow Universität.
  • bei Gelegenheit Frühstück
  • Novodevitche-Kloster
  • Kutusovprospekt und poklonnaja gora
  • Schließlich nochmal durchs Stadtzentrum zum Kazaner Bahnhof.
Ihm wars recht und wir fuhren los. Die Sonne war gerade erst aufgegangen und im Gegensatz zum Trubel am Flughafen war die Stadt noch menschenleer.

Die Straßen Moskaus sind am frühen Morgen noch verwaistund auch der rote Platz ist noch menschenleer
Die Straßen Moskaus sind am frühen Morgen noch verwaist und auch der rote Platz ist noch menschenleer
Der Versuch, an einem Geldautomaten Rubel zu bekommen, scheiterte, sowohl mit EC-Karte als auch mit Kreditkarten. Wir tauschten später in einer Wechselstube Euro-Bargeld. Auch am roten Platz wirkte noch verwaist. Wir hielten in der Nähe des Hotel Rossia an und spazierten über roten Platz.

Vor dem Eingang zum Kazaner Bahnhof
Vor dem Eingang zum Kazaner Bahnhof am Komsomoskaja Platz, dem Platz der drei Bahnhöfe
Dann ging es weiter zur Kropotkinskaja, um einen Blick auf die Erlöser-Kathedrale zu erhaschen. Wir spürten immer stärker, dass die kurze Nacht ihren Tribut zollte.
Weiter ging es zu den Leninbergen auf den Balkon Moskaus und zur imposanten Moskauer Lomonossow Universität, dem gigantischsten von 7 Stalinhochhäusern in Moskau. Hier beschlossen wir, einen Spaziergang zu machen und an einem Straßenimbiss zu frühstücken.
Der Spaziergang munterte zwar etwas auf, aber das Essen machte wieder müde. Die zunehmende Sommerhitze machte sich ebenfalls bemerkbar. Ich trank meinen ersten Kwas, seit langer Zeit.

Wir fuhren in etwas geänderter Reihenfolge erst zum Kutusowprospekt bis zum Memorial (Gedenk-Komplex) "Poklonnaja Gora" und von dort wieder stadteinwärts zum Novodevitche Kloster, wo wir auch wieder einen Spaziergang durch die Anlage machten. Der Taxifahrer wartete immer brav, doch schließlich konnten wir nicht mehr vor Müdigkeit und orderten: "Kazaner Bahnhof".

Die Reise kann beginnen

Der Achimer Bahnhof
Der Bahnhof Achim - der Held dieses Beitrags.
Eigentlich war nun alles klar. Visa hatten wir. Flugtickets hatten wir auch. Fehlten nur noch die Zugfahrkarten. Einige Infos vom Baikalplan (und deren Infoportal) hatten wir bereits, auch den Hinweis auf das Eurodomino-Ticket. Aber mit der Zugbestellung hatten wir dann doch noch unsere eigene Erfahrung gemacht.

(Servicecenter, die 1.)
Wir wendeten uns an den Schalterangestellten im Servicecenter unserer Kleinstadtbahnhofs und trugen ihm unser Anliegen vor. Das lautete: viermal Moskau-Severobaikalsk und zurück, zweiter Klasse Schlafwagen."Oha" war, glaub ich seine erste Äußerung, aber er begann geflissentlich in seinem System zu häckern. Nach zwei, drei Minuten fragte er schließlich: "Wie sollte man das denn schreiben? Bei allem, was ich eintippe, findet er nichts."
Ich schrieb ihm einige Varianten auf einen Zettel - die Diktion "Sewerobajkalsk" wurde schließlich vom System gefunden. Unsere Erfahrung an dieser Stelle: Macht euch vorher auf der Bahn-seite schlau, was die Schreibweise anbelangt - das spart schonmal etwas Zeit und ein wenig Nerven.
Daraufhin häckerte er weiter kam aber nach einigen Minuten zum Schluß: "Es sieht so aus, als könnte ich das hier nicht buchen". Da konnten wir auch nichts mehr dazu sagen und verließen dankend das Servicecenter mit dem Vorsatz, andere Möglichkeiten der Fahrkartenbeschaffung zu prüfen.

(Servicecenter, die 2.)
Zum Glück kamen wir mit Helmut, einem unserer zukünftigen Camp-Mitglieder in Kontakt, der uns als absoluter Bahnexperte einige nützliche Hinweise gab. Unter anderem sendete er uns als E-Mail-Anhang einen Scan seiner Reservierung. Ein Stückchen schlauer machten wir uns wieder zu unserem Bahncenter auf und zeigten die Kopie der Buchung von Helmut mit den Worten: "Was die österreichische Bundesbahn kann, sollte doch die deutsche Bahn auch können", um den Ehrgeiz des Schalterbeamten anzustacheln. Und siehe da, es klappte.
Es dauerte zwar ein paar Minuten, aber schließlich war die Verbindung reservierbar auf seinem Display. Nur sagte das System: Keine freien Plätze. Zum Glück wüssten wir bereits von der Freigabefrist von 45 Tagen und baten den Schalterbeamten, eine Probebuchung zu einem näher liegenden Termin zu machen. Das klappte auch - nun konnte man Platznummern im System auswählen und auch reservieren. Somit hatten wir unseren Durchbruch. Die Reservierung würden wir zwar später machen müssen, aber wir wussten, dass es geht. Somit schritten wir zum Kauf der Eurodomino-Tickets, was auch entsprechend unserer Infos vom System auch unterstützt wurde. Hier nun scheiterten wir an einem Fehler unsererseits.
Da das Eurodomino-Ticket personengebunden ist, hätten wir die Ausweise (für alle 4) dabei haben müssen. Somit zogen wir erstmal wieder ab.

(Servicecenter, die 3.)
So sieht ein Eurodomino-Ticket aus
So sieht ein Eurodomino-Ticket aus.
Mit allen Pässen ausgestattet kamen wir wieder zum Serviceschalter. Der Beamte kannte uns bereits und begrüßte uns, wie alte Bekannte. Die Ausfertigung der Eurodomino-Tickets bekamen wir dann auch recht schnell hin.

(Servicecenter, die 4.)
Die Freigabefrist von 45 Tagen vor der Hinfahrt war erreicht. Ich checkte den Reservierungsstatus über die Seite der Russischen Bahnen. Es war noch kaum etwas belegt. Wir begaben uns wieder zum Serviceschalter und wurden auch wieder wie alte Bekannte begrüßt. Gemäß unserer Probebuchung reservierten wir diesmal richtig. Das klappte anstandslos und wir hatten die Reservierung für die Hinfahrt sicher. Der Schalterbeamte hatte uns bereits für die Eurodomino-Tickets Falttaschen aus Karton gegeben (wie für Flugticket üblich), wo wir die Reservierung mit hinzutaten.
Wegen der 45 Tage konnten wir die Rückfahrt natürlich noch nicht reservieren und mussten somit nochmal 14 vor Abreise, also recht knapp gesehen (naja mit wachsender Routine empfindet man es nicht mehr so) wieder kommen.

(Servicecenter, die 5.)
Die Buchungsfrist für die Rückfahrt ist nun auch herangerückt und wir schlagen wieder bei unserem alten Bekannten am Schalter auf. Diese Reservierung ist nunmehr reine Routine und wird getätigt und ausgedruckt.
Aber was ist das? Die Reservierung sieht - alles in allem - genauso aus wie für die Hinfahrt, Zugnummer, Datum, Wagon-Nummer, aber die Platznummern fehlten. Der Schalterbeamte konnte es uns natürlich nicht erklären, sagte aber, die Buchung sei erfolgt und es ist auch ein Preis da, so dass wohl die Sache in Ordnung sein müsse. Wir folgten dieser Argumentation (was sonst) und betrachteten die Sache als OK und abgeschlossen.

(Servicecenter, Epilog)
Um in diesem Blog nicht bis zur Rückfahrt warten zu müssen, hier die Erklärung für die fehlenden Platznummern: Es war tatsächlich so OK und ist im russischen Buchunssystem begründet, welches nur vom Startbahnhof des Zuges eine feste Platzreservierung erlaubt. Beim Buchen von Zwischenstationen, werden die freien Plätze nur als flexibles Kontingent angesehen, aber eine keine festen Plätze vergeben.
Warum das russische System hier so ist, wie es ist, kann ich natürlich nicht sagen, aber jeder, der angesichts einer solchen Reservierung mal in Selbstzweifel gerät, sollte hiermit beruhigt sein.

Abschluss der Vorbereitungen

Die Alster in Hamburg
Das russisches Konsulat befindet sich irgendwo am rechten hinteren Bogen der Außenalster - der liegt Flughafen hinten links.
Die Einladung trudelte über kurz oder lang bei uns ein (Beispiel) und dazu noch diverse Mails vom GBT mit Hinweisen, Verhaltensregeln, Übernachtungsmöglichkeiten und anderen Informationen.

Nun konnten wir den Visaantrag fertigmachen. Das für uns zuständige russische Konsulat befindet sich in Hamburg. Wir erkundeten über das Internet die Anschrift und die Öffnungszeiten und beschlossen, persönlich die Unterlagen hinzubringen.

Wir fuhren mit dem Auto nach Hamburg. Das Konsulat befindet sich am Feenteich in einem Nobelviertel an der Außenalster. Das Viertel ist zwar recht zu geparkt, aber man findet doch Parkmöglichkeiten. Am Konsulat angelangt waren wir erstmal geschockt, als wir eine etwa 30m lange Schlange aus grüppchenweise stehenden Leuten sahen. Wir stellten uns hinten an, warteten und beobachteten die Situation. Mit der Zeit bekamen wir mit, dass ab- und an jemand kam, an der Schlange vorbei zur Pforte ging, die Gegensprechanlage bediente und schließlich eingelassen wurde.
Eine halbe Stunde standen wir schon, da beschloss ich, am Anfang der Schlange nachzufragen, wie das hier funktioniert. Man sagte mir dort unter anderem, für ein Touristenvisum, solle ich vorbeigehen und klingeln. Das taten wir dann auch, sagten an der Gegensprechanlage: "Touristenvisum", worauf hin der Türöffner summte und wir passieren konnten.

Nun waren wir im Konsulat in einem Raum mit mehreren Schaltern, deren Fenster verspiegelt waren. an den Schaltern war in deutsch und russisch ausgeschildert wofür sie da waren, so dass wir unschwer den Schalter für Touristenvisa fanden. Dort standen vielleicht drei Leute an. Etwa 5 Minuten pro Klient dauerte es schon, aber alles in allem waren wir schnell dran. Leider gab es nun ein kleines Problem. Obwohl wir alle notwendigen Unterlagen vollständig und korrekt vorlegten, konnte die Bearbeitung noch nicht erfolgen, da wir die Gebühr vorher hätten einzahlen müssen und den Einzahlungsbeleg hier mit vorweisen müssen. Der Schalterbeamte war aber auf diese Situation vorbereitet und gab uns einen Zettel mit Anschrift und Wegeskizze der nächsten Bankfiliale und der sinngemäßen Ansage: "Zahlen sie die Gebühr dort ein und kommen sie mit Quittung wieder hierher, ohne sich nochmal anzustellen".

So verfuhren wir dann auch. Es kostete uns nochmals etwa 40 min. Aus dieser Erkenntnis heraus würden beim nächsten mal die Überweisung vorab tätigen, denn eine Bahreinzahlung (und noch bei einer Fremd-Bank) ist deutlich teurer als eine bargeldlose Überweisung (bei der eigenen Bank). Zu Beachten ist da allerdings, dass ein echter Zahlungbeleg (und kein Online-Banking-Ausdruck) da ist, am besten gar mit Stempel, weil das Konsulat auf einen Original-Beleg der Bank besteht.

Alles weitere verlief so, wie der Mann am Schalter es gesagt hatte und wir bekamen noch einen Zettel herüber geschoben, auf dem ein Termin stand, zu welchem die Visa fertig sein sollten. Genau erinnere ich mich nicht mehr, aber es waren so etwa 3 Wochen.

Hier nochmal die Checkliste:
Zum Abholen der Visa fuhren wir wieder nach Hamburg, nunmehr mit dem Wissen um die ominöse Schlange vor dem Tor (Wir vermuten, dass es sich um Russen handelte, die in Passangelegenheiten dort anstanden). Als Option hatten wir den Besuch des Aeroflot-Büros im Hamburger Flughafen mit angedacht. Das Abholen der Visa ging dann so erfreulich schnell und reibungslos, dass wir dann wirklich zum Flughafen fuhren um am Aeroflotschalter eine Frage zu klären, die uns auf den Online-Buchungseiten unklar geblieben war.

Dort erfuhren wir, dass der von uns bevorzugte Flug mit dem von uns gewünschten Tarif buchbar sei (was auf den Buchungsportalen irgendwie so nicht ging). Da buchten wir ohne lange zu zaudern an Ort und Stelle Hin- und Rückflug und schlossen diese Sache ab.
Die Besonderheit bei diesem Flug war, er kam unserem Ansinnen nahe, möglichst ohne großen Aufenthalt in Moskau (und schon gar nicht mit Übernachtung) zur Weiterfahrt mit dem Zug zu gelangen. Nun, wie gut das gelungen ist, würden wir noch sehen.

Ausrüstung, Visa, Tickets

Die Ajaja-Bucht an einem regnerischen Tag
Die Ajaja-Bucht an einem regnerischen Tag. Ein verwittertes Schild zeigt den Zugang zum Naturreservat an.
Irgendwann im Frühjahr kam die Nachricht vom Baikalplan: "Wir haben euch alle vier in eurem Wunschcamp untergebracht". Nun gab es kein zurück mehr. Wir begannen, uns um unsere Ausrüstung zu kümmern und auch die Anreisevarianten abzuwägen.

Was das Camp anbelangte, so war noch nicht ganz klar, ob es in der Bucht Ajaja am Ufer des Baikal, oder direkt am Frolikha-See sein würde. In beiden Fällen aber würde gelten:
  1. Es gibt keine Verkehrsanbindung über Land,
  2. die Luftlinie nach Severobaikalsk über den See beträgt etwa 50 km,
  3. es gibt kein Handynetz,
  4. es gibt keine menschliche Ansiedlung in der Nähe (Khakusy könnte theoretisch in einem Tagesmarsch erreicht werden),
  5. im Westen liegt der Baikal und in allen anderen Richtungen nur die Taiga des Frolikha-Naturreservates
Das Project nannte sich "Ecopatrol" und sollte eine Kombination aus Trailbau und Unterstützung des Parkrangers beim Betreuen/Überwachen der Wanderer und Besucher sein. Das hörte sich alles spannend an, bedeutete aber auch, dass wir uns, um unsere Ausrüstung selbst kümmern mussten. Nur Zelte und Verpflegung sollten vom GBT gestellt werden, worauf wir uns (was die Zelte anbelangte) aber nicht verlassen wollten.

Somit begann ein fröhliches Online-Shopping zum Komplettieren der Ausrüstung von Fiskars Axt bis Vaudes Ultraleicht-LuMa.

Parallel dazu mussten wir uns für eine Anreisevariante entscheiden, denn davon hing widerum ab, für welchen Zeitraum wir genau das Visum bentragen würden. Ein Touristenvisum ist 30 Tage gültig, daher sind die Reserven nicht sehr üppig. Natürlich gibt es auch Businessvisa u.ä., aber dass wird dann auch entsprechend teurer.

Wir entschieden uns für die klassische Anreise-Variante: Flug nach Moskau und mit der BAM von Moskau nach Severobaikalsk. Unsere Erfahrungen mit der Beschaffung der Zugtickets ähneln denen, die im Thread TransSib mit der Deutschen Bahn im Forum Trekking in Zentral- und Ostasien, Pamir und Sibirien gepostet wurden. Es geht! Aber den oftmals überforderten Kollegen am Schalter sollte man selbst gewisse Hilfestellungen leisten, wie z.B.:
  • Schreibweise der Bestimmungsorte in lateinischen Buchstaben (auf einem Zettel vorgeschrieben)
  • auf Eurodomino verweisen (darauf bestehen, dass es für Russland gilt)
  • darauf bestehen, das Reservierungen ab/bis Moskau im DB-System möglich sind
  • darauf Hinweisen (und selbst dran denken) das Reservierungen erst ab 45 Tage vor der Reise möglich sind (vorher sagt das System irreführend: "keine Plätze frei").
  • zur Selbstkontrolle prüfen: Die Bahn (um z.B. Zugnummer heraus zu bekommen) und Russische Eisenbahn (um Wagonbelegung zu checken - Russischkenntnisse erforderlich)
Nun warteten wir auf die Einladung (Beispiel) des GBT, die wir für die Beantragung des Touristenvisum benötigten.