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Baikal-Amur-Magistrale

Krasnojarsk: Die Bahnsteige sind teilweise noch in Arbeit und daher fehlt gerade auch auf unserem Bahnsteig das Pflaster
Krasnojarsk: Die Bahnsteige sind teilweise noch in Arbeit und daher fehlt gerade auch auf unserem Bahnsteig das Pflaster. Unter der Nebelbank fließt der Jenissej
28.07.2005:
Am Morgen dieses Tages erreichen wir Krasnojarsk. Der Bahnhof ist scheinbar restauriert worden und ist sehr schön anzuschauen. Die Bahnsteige sind aber teilweise noch in Arbeit und daher fehlt gerade auch auf unserem Bahnsteig das Pflaster.

Beim Blick in Fahrtrichtung erkennen wir eine Nebelbank, über der sich bergige Landschaften erheben - die ersten Ausläufer des Sajan. Unter der Nebelbank aber fließt der Jenissej, der wasserreichste der nordwärts fließenden sibirischen Ströme. Nach der Abfahrt vom Krasnojarsker Bahnhof überqueren wir ihn. Er ist bereits hier riesig, obwohl er gerade erst das Sajan-Gebirge verlässt und sich noch nicht mit der Angara vereinigt hat.

Nachdem wir ihn passiert haben rollen wir in die Ausläufer der Westsajan, wobei sich die Landschaft nicht nur tektonisch ändert. Die dichtere Taiga, die wir seit gestern Abend durchfahren haben, lichtet sich wieder. vor allem die Südlagen der Berge und Hügel sind nun von Grassteppe bedeckt.

Taischet: Die Streckenführung der BAM (Baikal-Amur-Magistrale) ist mit der Transsibirischen identisch bis Taischet
Taischet: Die Streckenführung der BAM (Baikal-Amur-Magistrale) ist mit der Transsibirischen identisch bis Taischet. Aber hier trennen sich ihre Wege.
Wir nähern uns am frühen Nachmittag Taischet. Die Bedeutung dieser Station ist eine Besondere. Bislang sind wir auf einer Strecke der transsibirischen Eisenbahn gefahren. Die Streckenführung der BAM (Baikal-Amur-Magistrale) ist mit der Transsibirischen identisch bis Taischet. Aber hier trennen sich ihre Wege. Der Baikalsee, von dem wir noch 1000 km entfernt sind, ist ein riesiges Verkehrshindernis. Ein etwa 600 km langer Riegel in nord-süd Richtung, den man umfahren muß. Die Transsibirische Eisenbahn tut dies seit Zarenzeiten im Süden. Als man in der Ära der Sowjetunion diese als zu unsicher ansah, da sie ohne jegliche Optionen, dafür aber stets gefährlich nahe der Landesgrenze verlief, beschloss man den Bau einer nördlichen Alternative, der Baikal-Amur-Magistrale.

Man kann beim Verlassen von Taischet gut beobachten, wie sich der Rangierbereich der Station irgendwann aufteilt und eine Streckenführung Richtung Süden dreht, während wir auf Nord-Ost-Kurs gehen.
Beschaulicher abendlicher Verpflegungshalt
Beschaulicher abendlicher Verpflegungshalt. Die Sonne steht tief im Westen. Die Menschen auf dem Bahnsteig sind im Wesentlichen die Reisenden aus unserem Zug, die sich an den Kiosken versorgen, oder sich einfach nur die Beine vertreten.
Dies ist nun die eigentliche BAM. Man merkt den Unterschied auf Anhieb. Auch wenn die Strecke bis Bratsk bereits vor der großen BAM-Initiative bestanden hat und am Anfang auch noch zweigleisig ist, merkt man doch sehr schnell die abgeschiedenere Streckenführung mit weniger Urbanisierung, weniger Gegenzügen (am meisten Holztransporte) und einer überwältigenden Kontinuität der Taiga. Man fährt stundenlang durch ein Meer aus Bäumen.
Die wenigen Orte, die wir passieren, sind Holzverladeplätze, selbst größere Haltepunkte wirken beschaulicher, als entlang der immer betriebsamen Transsib.

Beim Überqueren des Staudammes können wir einen Blick zurück über den Stausee werfen und sehen die Sonne im Westen untergehen
Beim Überqueren des Staudammes können wir einen Blick zurück über den Stausee werfen und sehen die Sonne im Westen untergehen.
An dieser Stelle möchte ich unsere Wagonbegleiter erwähnen. Es ist eine blonde Frau und ein aus dem Kaukasus stammender Mann, beide aus Tynda. Sie sind nicht miteinander liiert, was man möglicherweise denken könnte, sondern der Dienstplan hat sie offensichtlich so zusammengebracht.
Interessant war dabei, dass der Mann seine beiden kleinen Söhne ebenfalls mit im Wagon hatte. Er sagte, er könne ihnen sonst nicht viel bieten. Aber er könne sie praktisch kostenlos einmal im Jahr Bahn fahren lassen und so habe er ihnen Moskau zeigen können.
Beide "Provodniks" waren stets hilfbereit und zuvorkommend. Die Blonde freute sich schon auf Tynda, ihre Heimatstadt. Sie habe einen kurzen Urlaub und die Bahnfahrt nach Moskau und zurück sei schon ein hartes Stück Arbeit. Die Wagonbegleiter haben während der gesamten Fahrt sozusagen im 2-Schicht-Betrieb abwechselnd Dienst. Dazu gehören alle Möglichen Arbeiten im Wagon.
Untergehende Sonne über dem Bratsker Stausee
Untergehende Sonne über dem Bratsker Stausee.
Allerdings habe ich beim täglichen Staubsaugen im Gang und in den Abteilen immer nur sie gesehen, was somit die historische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau auch hier offenbar werden lässt
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Auch wenn diese endlose hügelige Taiga wunderschön ist, so ist sie auf Dauer nicht sehr spektakulär. Etwas Aufregenderes würde und aber am Abend noch bevorstehen: Der Staudamm des Bratsker Wasserkraftwerkes, dieses Stromgiganten an der Angara.

Vor uns liegt die Staumauer des gigantischen Bratsker Wasserkraftwerkes
Blick in Richtung der Staumauer des gigantischen Bratsker Wasserkraftwerkes, bevor der Zug darüber hinweg rollt.
Beim Überqueren des Staudammes können wir einen Blick zurück über den Stausee werfen und sehen die Sonne im Westen untergehen.

Auf der anderen Seite des Stausees halten wir an der Station "Gidrostroitel" (Hydro-Erbauer), eine adrette Bahnstation, die an die Erbauer dieses Riesenprojektes erinnert. Dannach rollen wir wieder in die Nacht.